Gästeblog | Eure Gedanken-Ecke

Erzählt uns die Geschichte von eurem Sternenkind…

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Anonym schrieb am 5. April 2018:
Aktuell betreuen wir von SternenEltern Saarland eine werdenden Mutter, die eine traurige Geschichte durchlebt.

An dieser lässt Sie Euch teilhaben.

Teil 1

Mein Mann und ich durften uns auf Zwillinge freuen. Anfang der 12. Schwangerschaftswoche jedoch wurde uns leider direkt ein Dämpfer gesetzt: ein Kind würde nicht überlebensfähig sein und spätestens bis zur 20. Schwangerschaftswoche versterben. Eine spontane Genmutation.

Schock und Traurigkeit überkommen einen da schnell. Das kranke Kind würde vom Körper verkapselt und absorbiert werden. Am Ende der Schwangerschaft würden wir quasi gar nicht merken, dass es mal Zwillinge waren. So ist der Lauf der Natur häufig. Ein früh verstorbener Zwilling wird meistens nicht entdeckt. Wir hielten uns also an der Hoffnung aufrecht, dass die Schwangerschaft trotzdem bestehen bleibt und wir uns auf ein gesundes Kind würden freuen können.

Allerdings hatte keiner mit dem Kämpferherz unserer Tochter gerechnet. Die Zeit verstrich und unsere kleine Maus hielt sich tapfer neben ihrem Bruder.

Der Kontrolltermin in der 25. Woche bei dem Feindiagnostiker brachte diesen auch zum Stutzen, dass unsere Tochter ein solches Durchhaltevermögen hat. Da sich insbesondere die Lunge in dem zu kleinen Brustkorb nicht ausbilden kann, wird unsere Tochter voraussichtlich nach der Geburt ersticken. Ein humanerer Tod wäre ein selektiver Fetozid. Ich hatte bereits davon gelesen, und gehofft, dass ich das nie von einem Arzt vorgeschlagen bekommen würde.

Mir war klar: ich brauche jemanden außerhalb von Familie und Freunden, mit dem ich darüber sprechen kann. Jemand neutrales, der aber dennoch versteht, was in mir vorgeht. Mit dem ich mich darauf vorbereiten kann, dieses Kind dann doch kennenzulernen und womöglich direkt wieder verabschieden zu müssen. Ich entdeckte den Verein Sterneneltern Saarland e.V. und beschrieb meine Geschichte. Ein Treffen war schnell organisiert und so viel Angst ich davor hatte, so befreiend war es doch. Ich konnte einfach erzählen, ohne dass schockierte Gesichter mich mitleidig ansehen. Ich kenne die persönlichen Geschichten von den einzelnen Sterneneltern nicht. Es war in dem Moment auch nicht wichtig. Ich brauchte einfach nur jemanden der mich versteht und mir zuhört.

Der Verein gab mir Tipps und Adressen, wie ich Erinnerungen schaffe, wie ich für mich selbst akzeptieren kann, wie ich damit umgehe. Ich brauchte mich in keinster Weise rechtfertigen.

Jetzt heißt es bis zur Geburt abwarten. Was genau auf uns werdende Eltern zukommen wird, kann uns mittlerweile keiner sagen. Ob wir vielleicht doch keine „Sterneneltern“ werden und „nur“ eine schwerstbehinderte Tochter neben unserem Sohn stattdessen mit nach Hause nehmen, können die Ärzte momentan nicht beurteilen.

Egal wie es kommt, ich bin froh, dass ich schon im Vorfeld über die Sterneneltern Saarland aufmerksam geworden bin. So bin auf alles vorbereitet und weiß, dass ich im Fall der Fälle unterstützende Hilfe an der Hand habe, die mir nicht nur organisatorisch, sondern vor allem mit liebevollen Erinnerungen zur Seite stehen wird. Das beruhigt, soweit es in einer solchen Situation überhaupt möglich sein kann.

Wie wichtig die Arbeit von den Sterneneltern Saarland e.V. ist, kann einem somit auch schon im Vorfeld klar werden. Häufig überschlagen sich natürlich die Ereignisse, wenn ein Kind bereits im Mutterleib verstorben ist oder direkt bei der Geburt verstirbt, ohne dass es vorher Anzeichen dafür gab.

Aber es gibt viele Fälle, in denen vorab klar ist, dass die Schwangerschaft kein gutes Ende nehmen wird. Nur, dass die meisten nicht darüber reden oder sich schämen, weil sie sich anders entscheiden, als ich es getan habe. Aber auch dazu gehört viel Mut und man sollte sich nicht darum kümmern, was andere darüber denken, die nie in einer solchen Situation waren. Wichtig allein ist die Tatsache, dass man sich traut, Hilfe anzunehmen. Jemanden an der Hand hat, der einem in der schwierigen Situation trotzdem zeigt, dass man stolz auf sein Kind sein kann und dieses nicht verstecken muss.