Gästeblog | Eure Gedanken-Ecke

Erzählt uns die Geschichte von eurem Sternenkind…

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Carina A. schrieb am 22. Februar 2018:
Ein Brief von einer Sternenmama⭐

Clara – die Leuchtende - unser Sternenkind

Diesen Bericht zu schreiben, fällt mir nicht leicht, aber zugleich tut es mir gut, da ich anderen meine
Gefühle mitteilen und vielleicht auch helfen kann. Helfen zum einen, weil ich meine bzw. unsere Erfahrungen offenlege und vielleicht weitere betroffene Menschen aus dem Herzen spreche und zum anderen weil ich anderen zeige, dass man weiterhin mit mir und meinem Mann ganz „normal“ umgehen kann. Wir haben einen Schicksalsschlag erlebt, der uns und unseren Blick auf das Leben verändert hat, aber wir sind weiterhin Teil dieser Gesellschaft und wollen nicht ausgegrenzt, sondern ganz einfach weiterhin angenommen sein.

Eines ist klar: Der Tod von Clara hat mir die Endlichkeit des Lebens mit solch einer Härte und Brutalität bewusst gemacht, dass ich bis heute oft mit Unfassbarkeit auf das Geschehene zurückblicke.
Ich habe gelernt, damit zu leben und dieses Ereignis in mein persönliches Leben zu integrieren und Clara als mein Kind anzuerkennen.

An Clara habe ich während der Schwangerschaft Träume, Vorstellungen und Wünsche geknüpft, die mit ihrem Tod alle nicht mehr in Erfüllung gehen konnten: Ich bin Mama ohne Kind, ich gehe nicht auf den Spielplatz, lese keine Gutenachtgeschichte vor und wechsle keine Windeln. Und doch bin ich Mama.
Denn Clara wurde geboren und ist ein Teil von mir und ihr Tod gehört zu meinem Leben dazu. Ich musste loslassen, obwohl ich noch nicht einmal richtig im Arm halten durfte, ich musste die erträumte Zukunft loslassen, obwohl diese noch nicht angefangen hatte.
Aber für das Loslassen ist man nie bereit, man wird nicht gefragt, man muss es annehmen, weil keine andere Wahl bleibt. Wir mussten dann also als kleine Familie, die eigentlich nie eine werden durfte, eine gemeinsame große Hürde meistern. Die stille Geburt. Und wir haben es geschafft. Irgendwie. Gemeinsam. Voller Liebe.

So schlimm und schmerzhaft diese Erfahrung war, so vorbildlich und gut war der Umgang mit uns und unserem Schicksal durch die MitarbeiterInnen des Krankenhauses. Sie waren für uns da. Sie sahen uns und in unser Herz.

Was auch gut tat, waren Familie und Freunde, die einfach da waren, die mit uns geweint haben, die keine Worte gefunden haben, weil es auch keine gibt. Freunde, die Blumen auf das Grab gestellt haben, weil auch sie sich auf Clara gefreut haben und die bis heute einfach da sind.

Ich bin eine Mama ohne Kind. Zum Glück habe ich eine Geburtsurkunde, die mich daran erinnert. Zum Glück durften wir Clara beerdigen. Im Familienkreis und trotzdem öffentlich. Sie hat ein Grab, wir haben ein Ort der Trauer. Sie ist kirchlich bestattet und damit auch Teil der Gemeinde. Das ist uns wichtig. Denn sie gehört dazu.

Einige Zeit danach lernte ich Sternenmütter kennen, die das gleiche Schicksal mit uns teilen. Sie gaben mir Mut und ich fühlte mich in meinem Schmerz verstanden. Ich bin nicht allein. Wir sind nicht allein. Nicht allein mit unserem Schicksal, unserer Trauer, aber auch nicht mit unserer Lebensfreude. Das Leben, der Alltag hat uns. Wir haben Clara.

Clara hat mir zu einer neuen Einstellung über Leben und Tod verholfen. Seit ihrer Geburt und ihrem Tod überdenke ich viele Entscheidungen in meinem Leben neu.
Aber ich lebe. Und sie ist und bleibt in meinem Herzen. Ich kann auch wieder fröhlich sein und lachen. Denn sie geht mit mir durch den Alltag und hilft mir, dass ich nicht schweigen muss, Clara nicht verschweigen muss, sondern dass ich reden darf. Und auch schreiben. So wie diesen Text.
Ich hoffe, dass ich hiermit Verständnis bekomme nicht nur für unsere Situation, sondern auch für die vielen anderen Sternenkindeltern. Vielleicht fällt es ihnen nun leichter, mit mir, uns und anderen umzugehen. Das ist schwierig. Ich weiß. Aber ein Versuch ist es wert.

Carina A.