Gästeblog | Eure Gedanken-Ecke

Erzählt uns die Geschichte von eurem Sternenkind…

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Sarah Teil 5 schrieb am 24. November 2019:
Danach ging alles so schnell, dass ich nicht mal wirklich Zeit dazu hatte, meine Gefühle zu
sortieren. Die Hebamme verschwand sofort mit Lio, während die Ärztin mir etwas zum
Zusammenziehen der Gebärmutter spritze und eine Schülerin mir etwas zum Neutralisieren
der Magensäure reichte. Dann halfen sie mir schon in das OP-Hemdchen und die
Trombosestrümpfe. Ehe ich mich versah, war ich auch schon auf dem Weg in den OP, ohne
mein Kind gesehen oder meinen Mann verabschiedet zu haben.
Im OP folgte eine Standpauke der Narkoseärztin, warum ich 4h vorher etwas gegessen hatte
und wer mir das gegeben hätte. Ich hätte am liebsten geweint. Ich hatte gerade mein totes
Kind geboren. Ich hätte mir gewünscht, dass sie mir wenigstens die Angst vor einer
Vollnarkose nehmen würden, anstatt mich noch fertig zu machen, weil ich was gegessen
hatte.
Um kurz nach 23:00 wachte ich im Aufwachraum auf. Man sagte mir das alles gut gelaufen
wäre, ich allerdings über Nacht im Aufwachraum zur Überwachung bleiben müsste, weil ich
so viel Blut verloren hätte. Ich verneinte. Ich wollte zu meinem Kind. Nach einer scheinbar
ewig dauernden "Diskussion" durfte ich schließlich um 1 Uhr nachts endlich doch auf mein
Zimmer. Dort sah ich unseren Lio 3 1⁄2h nach seiner Geburt das erste Mal.
Es war das Traurigste und gleichzeitig Schönste was ich je gesehen habe. Er war liebevoll in
eine Einschlagdecke eingewickelt worden, die wir uns zuvor ausgesucht hatten. Ich
streichelte seine kleine zarte Hand, versuchte mir jedes noch so kleine Detail von ihm
einzuprägen. Das Schönste war sein Lächeln. Das werde ich wohl nie vergessen. Es war wie
ein Zeichen. "Mami, Papi mir geht es jetzt gut. Ich liebe euch auch." Währenddessen machte
eine wunderbare Fotografin Bilder von uns und unserem kleinen Engel. Wir sind ihr so
unglaublich dankbar für diese Erinnerungen. Danke Marie @ajaxfairies , dass du und Sandra
von @sterneneltern_saarland euch sofort auf den Weg gemacht und uns Erinnerungen
geschaffen habt, die uns sonst nicht möglich gewesen wären. Danke für eure Worte. Jedes
einzelne hat uns berührt. Danke, dass es Menschen wie euch gibt, die selbstlos anderen
Menschen in ihrem Schmerz zur Seite stehen.
Nach einiger Zeit ließen uns die beiden alleine. Als sich die Tür schloss waren wir das erste
Mal seit Stunden alleine. Wir zwei mit unserem Sohn. Ich hatte ihn die ganze Zeit auf meiner
Brust liegen und legte meine Hand beschützend auf seinen Körper.
Lio blieb solange bei uns, bis wir einschliefen und Angst hatten er könnte vom Bett fallen. Wir riefen eine Schwester, die unseren kleinen Engel mitnahm und ihn am nächsten Morgen wiederbrachte. Alle gingen respektvoll mit ihm um, auch wenn immer wieder der Standardspruch "Sie sind ja noch jung blablabla" fiel.
Das alles übertraf allerdings ein Arzt, der nach all den beschissenen Standardfloskeln, das Körbchen unseres Kindes griff und damit das Zimmer verließ, als würde er zu einem Einkaufsbummel gehen. Entsetzt starrten wir ihm hinterher. Am liebsten hätte ich ihm hinterhergerufen, dass das unser Kind ist und nichts ohne Wert, aber ich hielt mich zurück. Ich wollte Lio einfach so schnell wie möglich wiederhaben. Irgendwie hoffte ich, dass noch mehr Liebe in seinen kleinen Körper fließen würde und er all das mit seiner Seele an den Ort tragen könnte, der ab jetzt seine Welt war.