Gästeblog | Eure Gedanken-Ecke

Erzählt uns die Geschichte von eurem Sternenkind…

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Sarah Teil 3 schrieb am 24. November 2019:
Auch sie bestätigte die bereits genannten Diagnosen und fügte noch einige hinzu. An der
Diagnose "nicht überlebensfähig" änderte sich aber auch bei ihr nichts. Sie gab der

"Krankheit" unseres Kindes einen Namen. "BODY-STALK-ANOMALIE" ein Syndrom der
verkürzten Nabelschnur.
Ich fragte sie, ob man nicht irgendetwas tun könnte. Sie schaute mich nur mitfühlend an und
antwortete "Sehen sie sich alleine die Verkrümmung der Wirbelsäule an und nehmen dann
noch die offene Bauchdecke dazu... Wenn es nur der Darm wäre, der außerhalb des Körpers
wäre. Das könnte man operieren, aber die Vielzahl an Missbildungen. Da können wir nichts
machen. Es tut mir leid."
Auch sie sagte mir wieder, dass ich ja noch jung sei und noch Kinder folgen könnten. Bereits
dort hasste ich den Satz so sehr, dass ich am liebsten geschrien hätte, sie sollten alle den
Mund halten. Der einzige Lichtblick dieses Tages war, dass es nichts genetisches war.
Ich fragte sie, was jetzt zu tun sei und sie erklärte mir kurz, dass eine Einleitung stattfinden
müsste. Auf die Frage wie dringend das sei, sagte sie nur, dass wir Zeit hätten. Sieben Tage
später sollte unsere Hochzeit sein und ich wollte einfach nicht vorher von unserem kleinen
Jungen Abschied nehmen müssen. Wir wollten ihn dabeihaben. Eine Familie sein.
Ganz viele verstanden nicht warum wir die Hochzeit feiern wollten. Sätze wie "Es sollte doch
der schönste Tag unseres Lebens werden." oder "Er würde überschattet werden von diesem
Schicksal." wurden immer wieder gesagt. Was niemand verstehen wollte war aber, dass
unser Kind dort dabei sein sollte. Lio war nichts dunkles schwarzes, das den Tag schlimm
machte. Er machte ihn zu etwas ganz Besonderem. Er war unsere Familie, unser Licht. Unser
Sohn war ein Teil unseres schönsten Tages. Ohne ihn hätte etwas gefehlt.
An dem Abend spürte ich ihn das erste Mal, so als wollte er mir damit sagen, dass er sich für
uns freut. Auch im Ultraschall bei meiner FÄ die wir vier Tage vor der Hochzeit nochmal
aufsuchten, war er aktiver denn je. Er hat gestrampelt, gewunken und sich so viel bewegt. Er
hat gelächelt und hat uns damit auch nochmal lachen lassen. Es war als wollte er damit
sagen "Hey, ich bin noch an eurer Seite und ich werde auch noch etwas bleiben. Verliert
euer Lachen nicht."
Zwei Tage vor der Einleitung lauschten wir seinem Herzschlag. Meine Schwester hatte uns
dafür ein Gerät ausgeliehen und ich bin ihr so unglaublich dankbar dafür. Es war das
schönste was wir je hören durften. Der Gedanke ihn bald ziehen zu lassen tat so unfassbar
weh. Unser Kind müsste uns bald schon wieder verlassen.
Immer wieder schlich sich der böse Gedanke in meinen Kopf, dass ich eine Mörderin sei. Das
ich mein Kind hergebe. Ich hatte immer gesagt, ich würde niemals ein Kind abtreiben und
dazu stehe ich auch heute noch. Ich habe unser Kind nicht abgetrieben. Ich habe ihm die
Freiheit geschenkt. Die Freiheit in den Sternen ein Leben zu führen, dass ich ihm nicht geben
kann. Ich wollte nicht, dass mein Kind leidet. Immer wieder stellte ich mir die Frage, ob ich
selbst so leben wollen würde. Ich hatte eine Geschichte gefunden, bei der ein Baby mit
Body-stalk-Anomalie eine Woche überlebt hatte. Ich hätte alles dafür gegeben mein Kind
lebend in den Armen halten zu können, aber ich wollte nicht meinen Egoismus vor das Wohl
meines Kindes stellen. Ich wollte nicht, dass das Einzige, was er in seinem kurzen Leben
fühlen durfte, Schmerz war. Lio sollte mit ganz viel Liebe in seinem Herzen gehen.