Gästeblog | Eure Gedanken-Ecke

Erzählt uns die Geschichte von eurem Sternenkind…

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Sarah Teil 2 schrieb am 24. November 2019:
Meine Schwester googelte nach der Verdachtsdiagnose "Omphalozele", die die FÄ auf die
Überweisung geschrieben hatte. Fazit: Unser Kind müsste wahrscheinlich per Kaiserschnitt

geboren und sofort operiert werden. Je nachdem wäre es mit einer Operation behandelt
gewesen, könnte aber auch zwei Jahre dauern in denen unser Kind immer wieder operiert
werden müsste. Danach würde es ihm aber gut gehen und keine Folgeschäden
zurückbleiben. Der erste Schock wurde ersetzt durch Hoffnung. Hoffnung darauf, dass unser
Kind leben wird. Wir wollten den Weg mit ihm gehen, ohne Zweifel.
Am nächsten Morgen meldete sich meine FÄ und teilte mir mit, dass wir am Freitag den
13.09.19 einen Termin in der Uniklinik hatten. Mein Mann schaute mich an und sagte: "
Freitag der 13., wenn das mal nicht was bedeutet."
Freitag morgens um halb 7 machten wir uns auf den Weg. Wir waren voller Hoffnung. Alles
würde nicht so schlimm werden. Selbst zwei Jahre würden wir schaffen. Wir liebten unser
Krümelchen doch so sehr und freuten uns doch so. Der Sonnenaufgang an diesem Morgen
war unheimlich schön. Ich machte sogar ein Foto davon. Ich wollte es für später festhalten.
Vielleicht auch für Lio; um ihm zu zeigen wie schön der Tag war an dem wir erfahren hatten
das er es schaffen würde...
In der Uniklinik angekommen zogen wir eine Nummer um uns anzumelden. Um 8:45 Uhr
wurden wir aufgerufen und durften zum Ultraschall. Ein junger Arzt betrat das Zimmer und
fragte uns warum wir genau da wären. Ich erklärte ihm kurz vom Verdacht meiner FÄ
woraufhin er den Ultraschall startete.
Er hatte das Gerät noch keine 10 Sekunden auf meinen Bauch das sagte er "Ja, aber leider ist
das nicht alles." Ich versuchte alles Gesagte von ihm aufzunehmen, doch bereits nach kurzer
Zeit kamen nur noch Bruchstücke bei mir an. "Die Bauchdecke ist nicht geschlossen.
Nabelschnur viel zu kurz. Der Darm liegt außerhalb des Körpers, die Nieren, Harnblase, ein
Teil des Herzens, die Lunge..." Immer wieder stoppte er das Bild und zeigte auf einzelne
Bereiche. Er hörte gar nicht mehr auf immer mehr Dinge aufzuzählen. Zum Schluss kam die
Verkrümmung der Wirbelsäule. Immerhin waren alle Organe vorhanden.
Bevor er es aussprach wusste ich, dass es schlimm war; seine Worte sprachen nur das aus,
was ich dort bereits ahnte. "Es tut mir leid, aber ihr Kind hat keine Überlebenschancen.
Sowas passiert selten. In 1/50000 Fällen. Ich würde Ihnen raten noch eine
Chorionzottenbiopsie zu machen, um auszuschließen, dass es genetisch bedingt ist." Ich
dachte nicht lange nach und unterschrieb. Ich hätte ihm womöglich alles unterschrieben.
Dann kam der Standardspruch: "Es ist ihr erstes Kind. Sie sind noch jung. Beim nächsten Mal
wird das mit 99% nicht mehr passen." Ja danke und was bringt mir das jetzt?
"Gehen Sie bitte nochmal ins Wartezimmer. Die Oberärztin schaut gleich nochmal" 20
Minuten später lag ich wieder auf einer Liege. Der Ultraschall dauerte 45 Minuten in denen
die Ärztin immer wieder von 2D auf 3D umschaltete. Irgendwann konnte ich nicht mehr
hinsehen. Unser hübsches Kind, das dort einfach so perfekt aussah, müsste uns bald
verlassen. Ich kämpfte mit den Tränen. Ich wollte nicht dort weinen. Ich wollte stark sein,
wofür auch immer.