Gästeblog | Eure Gedanken-Ecke

Erzählt uns die Geschichte von eurem Sternenkind…

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5 Einträge
Anonym schrieb am 5. April 2018:
Aktuell betreuen wir von SternenEltern Saarland eine werdenden Mutter, die eine traurige Geschichte durchlebt.

An dieser lässt Sie Euch teilhaben.

Teil 1

Mein Mann und ich durften uns auf Zwillinge freuen. Anfang der 12. Schwangerschaftswoche jedoch wurde uns leider direkt ein Dämpfer gesetzt: ein Kind würde nicht überlebensfähig sein und spätestens bis zur 20. Schwangerschaftswoche versterben. Eine spontane Genmutation.

Schock und Traurigkeit überkommen einen da schnell. Das kranke Kind würde vom Körper verkapselt und absorbiert werden. Am Ende der Schwangerschaft würden wir quasi gar nicht merken, dass es mal Zwillinge waren. So ist der Lauf der Natur häufig. Ein früh verstorbener Zwilling wird meistens nicht entdeckt. Wir hielten uns also an der Hoffnung aufrecht, dass die Schwangerschaft trotzdem bestehen bleibt und wir uns auf ein gesundes Kind würden freuen können.

Allerdings hatte keiner mit dem Kämpferherz unserer Tochter gerechnet. Die Zeit verstrich und unsere kleine Maus hielt sich tapfer neben ihrem Bruder.

Der Kontrolltermin in der 25. Woche bei dem Feindiagnostiker brachte diesen auch zum Stutzen, dass unsere Tochter ein solches Durchhaltevermögen hat. Da sich insbesondere die Lunge in dem zu kleinen Brustkorb nicht ausbilden kann, wird unsere Tochter voraussichtlich nach der Geburt ersticken. Ein humanerer Tod wäre ein selektiver Fetozid. Ich hatte bereits davon gelesen, und gehofft, dass ich das nie von einem Arzt vorgeschlagen bekommen würde.

Mir war klar: ich brauche jemanden außerhalb von Familie und Freunden, mit dem ich darüber sprechen kann. Jemand neutrales, der aber dennoch versteht, was in mir vorgeht. Mit dem ich mich darauf vorbereiten kann, dieses Kind dann doch kennenzulernen und womöglich direkt wieder verabschieden zu müssen. Ich entdeckte den Verein Sterneneltern Saarland e.V. und beschrieb meine Geschichte. Ein Treffen war schnell organisiert und so viel Angst ich davor hatte, so befreiend war es doch. Ich konnte einfach erzählen, ohne dass schockierte Gesichter mich mitleidig ansehen. Ich kenne die persönlichen Geschichten von den einzelnen Sterneneltern nicht. Es war in dem Moment auch nicht wichtig. Ich brauchte einfach nur jemanden der mich versteht und mir zuhört.

Der Verein gab mir Tipps und Adressen, wie ich Erinnerungen schaffe, wie ich für mich selbst akzeptieren kann, wie ich damit umgehe. Ich brauchte mich in keinster Weise rechtfertigen.

Jetzt heißt es bis zur Geburt abwarten. Was genau auf uns werdende Eltern zukommen wird, kann uns mittlerweile keiner sagen. Ob wir vielleicht doch keine „Sterneneltern“ werden und „nur“ eine schwerstbehinderte Tochter neben unserem Sohn stattdessen mit nach Hause nehmen, können die Ärzte momentan nicht beurteilen.

Egal wie es kommt, ich bin froh, dass ich schon im Vorfeld über die Sterneneltern Saarland aufmerksam geworden bin. So bin auf alles vorbereitet und weiß, dass ich im Fall der Fälle unterstützende Hilfe an der Hand habe, die mir nicht nur organisatorisch, sondern vor allem mit liebevollen Erinnerungen zur Seite stehen wird. Das beruhigt, soweit es in einer solchen Situation überhaupt möglich sein kann.

Wie wichtig die Arbeit von den Sterneneltern Saarland e.V. ist, kann einem somit auch schon im Vorfeld klar werden. Häufig überschlagen sich natürlich die Ereignisse, wenn ein Kind bereits im Mutterleib verstorben ist oder direkt bei der Geburt verstirbt, ohne dass es vorher Anzeichen dafür gab.

Aber es gibt viele Fälle, in denen vorab klar ist, dass die Schwangerschaft kein gutes Ende nehmen wird. Nur, dass die meisten nicht darüber reden oder sich schämen, weil sie sich anders entscheiden, als ich es getan habe. Aber auch dazu gehört viel Mut und man sollte sich nicht darum kümmern, was andere darüber denken, die nie in einer solchen Situation waren. Wichtig allein ist die Tatsache, dass man sich traut, Hilfe anzunehmen. Jemanden an der Hand hat, der einem in der schwierigen Situation trotzdem zeigt, dass man stolz auf sein Kind sein kann und dieses nicht verstecken muss.
Anonym schrieb am 28. Februar 2018:
gestern den 27. Februar waren es genau 3 Jahre her, dass ich dich verloren habe. Ich denke immer noch sehr oft an dich und was wohl aus dir geworden wäre, wenn du hättest zu uns kommen dürfen.
Dabei hast du mir auch so trotzdem drei große Geschenke gemacht.
Aber von vorne. Zuerst wollte dein Papa nämlich nicht wirklich Papa werden. Wir waren zwar schon sehr lange verheiratet (fast 10 Jahre) und noch länger zusammen. Aber eigene Kinder haben wollte er nicht. Als Scheidungskind hatte er erlebt, was es heißt von einem Elternteil getrennt zu sein. Er hatte große Angst vor der Verantwortung. Außerdem wollte er mich auch nicht mit jemand anderem teilen müssen. Wir haben viel darüber diskutiert, sind aber nicht wirklich zu einer gemeinsamen Entscheidung gekommen.
Mein Wunsch nach einem Kind war so groß und stark, dass es mich fast zerrissen hat, mit deinem Papa zusammen zu bleiben in der Gewissheit keine Kinder zu bekommen. Er hat das auch gesehen und irgendwann den Entschluss gefasst, dass es besser ist, sich auf das Abenteuer einzulassen, als seine Frau irgendwann zu verlieren.

Und hier kommen wir zu dem ersten Geschenk, dass du mir gemacht hast. Die Gewissheit, dass ich in meinem Alter (37) überhaupt schwanger werden konnte. Denn schon nach 4 Monaten üben, war ich mir sicher, dass ich schwanger bin. Über Weihnachten hatte ich schon vorsichtshalber keinen Alkohol getrunken und an Silvestermorgen war der Schwangerschaftstest tatsächlich positiv. Ich war ganz aus dem Häuschen. Allerdings hatte ich auch ein mulmiges Gefühl es deinem Papa zu sagen. Er hat sich aber auch offensichtlich gefreut. Wollte unbedingt ein Foto vom Schwangerschaftstest geschickt bekommen.
Beim ersten Termin beim Frauenarzt war ich in der 6. Woche schwanger. Auf dem Ultraschall habe ich einen kleinen Krümel gesehen in dessen Mitte schon ein ganz kleines Herzchen pulsiert hat. Ganz stolz haben wir der Familie, unseren Freunden und unseren Arbeitskollegen von dir erzählt und erste Bilder von unserem Krümelchen in der Welt verschickt. Ich habe meine Hebamme Isabelle angerufen und direkt einen Termin mit ihr vereinbart. Alles lief gut, ich war zwar zwischendurch mal erkältet, aber nix dramatisches.

Kurz vor Fastnacht hatten wir dann wieder einen Termin beim Frauenarzt. Ich war in der 11. Woche. Dein Papa kam mit, um dich auch auf dem Ultraschall zu sehen.
Dann kam der Schock. Während der Untersuchung sah ich dich auf dem Bildschirm, aber es pulsierte nichts. Der Arzt versuchte noch mehrere Blickwinkel einzustellen – aber nichts. Er sagte dann ziemlich unverblümt: „Sie sehen ja selbst, da ist kein Herzschlag zu sehen. Das Kind ist tot. Bitte ziehen sie sich an, den Rest besprechen wir dann drüben“ und ging ins andere Zimmer.
Ich war so geschockt, ich konnte kaum Luft holen. Deinem Papa ging es genauso. Wir sind dann wie betäubt ins Sprechzimmer gegangen. Wo der Arzt dann die verschiedenen Möglichkeiten aufgezählt hat: Abwarten bis es von selber abgeht – hat aber viele Risiken, er würde eine Ausschabung empfehlen. In welches Krankenhaus ich den gehen wollte? – Seine Sprechstundenhilfe würde uns dann die Einweisung mitgeben und uns die Telefonnummer raussuchen, damit wir einen Termin im Krankenhaus machen können. Den Rest habe ich wie in Trance erlebt. Die Sprechstundenhilfe hat uns ins Labor gelotst, damit wir nicht ins Wartezimmer mussten, hat alle Papiere fertig gemacht und uns dann damit verabschiedet, dass wir, wenn alles rum ist , einen Termin zur Nachkontrolle machen können und Tschüß.
Im Auto angekommen, sind bei mir alle Dämme gebrochen. Ich habe wie wild rumgeheult. Dein Papa hingegen war nur wütend. Am liebsten wäre er wieder zurück in die Praxis gegangen und hätte den Arzt für seine unsensible Art nachträglich aus dem Fenster geschmissen.

Ich habe zuerst versucht im Krankenhaus anzurufen. Hatte da aber niemanden auf der Station ans Telefon bekommen. In meiner Verzweiflung habe ich dann meine Hebamme Isabelle angerufen. Die hat nur gesagt, wir sollten zuerst mal nach Hause fahren, zur Ruhe kommen und sie wäre in einer Stunde bei uns und wir könnten dann alle Möglichkeiten besprechen.
Isabelle hat uns dann aufgeklärt, dass es durchaus möglich ist, dass man auch den natürlichen Abgang abwarten kann. Sie hat uns die Risiken erklärt (mögliche unkontrollierte Blutungen), aber auch mit komischen Vorstellungen aufgeräumt, die im Kopf herumschwirren. Es kann beim Abwarten nicht zu einer Vergiftung oder ähnlichem kommen. Das Kind ist weiterhin in seiner Fruchthöhle geschützt. Wenn der Körper selbst erkannt hat, dass da kein Leben mehr in der Fruchthöhle ist und bereit ist loszulassen, kommt es zu einer kleinen Geburt. Es gibt leichte Wehen, der Muttermund öffnet sich leicht und die Fruchthöhle und die Nachgeburt können abgehen.
Bei einer Ausschabung, wie vom Frauenarzt empfohlen, wird unter Narkose der Muttermund hingegen gewaltsam geöffnet und die Gebärmutter mit einem Curettagelöffel ausgeschabt, um den Fötus und die Nachgeburt zu entfernen. Hierbei wird auch die Gebärmutterschleimhaut z.T mit abgeschabt, bzw. verletzt, woher auch oft die Empfehlung rührt, erst nach 3 Zyklen nach einer Ausschabung wieder schwanger zu werden, da sich die Gebärmutterschleimhaut erst wieder aufbauen muss.

Nach kurzer Überlegung war für uns klar, ich will abwarten. Ich will mich in Ruhe verabschieden können. Mich mit dem Gedanken abfinden können, dass du nicht mein erstes Kind sein wirst, dass ich aufwachsen sehe.

Und dass war das zweite Geschenk von dir. Durch dich konnte ich schon erste Erfahrungen sammeln, wie sich Wehen anfühlen. Wie es sich anfühlt, nicht mehr Herr über seinen eigenen Körper zu sein. Du hast mir so die Angst vor der Geburt von deinem Bruder zum Teil genommen.
Es ging dann aber doch nicht so leicht wie wir uns das vorgestellt hatten.
Zuerst war es sehr schwierig überhaupt einen neuen Frauenarzt zu finden, der bereit war, die natürliche Fehlgeburt zu begleiten. Wobei begleiten das falsche Wort ist. Eigentlich hatten wir ja nur einen Arzt gesucht, der noch einmal bestätigt, dass der erste Arzt keinen Fehler gemacht hat und dann später nach der natürlichen Fehlgeburt eine abschließende Ultraschalluntersuchung macht und bestätigt, dass der Abgang vollständig war. Die eigentliche Geburt sollte nur meine Hebamme Isabelle begleiten. Nach dem Isabelle insgesamt 10 Ärzte abtelefoniert hatte, hatten wir endlich jemanden gefunden, der dazu bereit war. Die anderen haben uns entweder direkt noch am Telefon versucht zu einer Ausschabung zu überreden oder abgelehnt, die Verantwortung bis zum ersten Untersuchungstermin bei Ihnen zu übernehmen.
Es war nicht mit zwei-drei Tagen warten getan. Nach drei Wochen hat Isabelle gemeint, dass wir uns vielleicht doch einmal einen Endpunkt setzen sollten, bis wohin wir noch warten sonst lassen wir doch einen Ausschabung machen. Wir wollten noch bis zur nächsten Woche warten. In der Zwischenzeit bin ich auch wieder arbeiten gegangen. Mir wäre sonst zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen. Donnerstags morgens hatte ich dann irgendwann starke Rückenschmerzen bekommen, die aber regelmäßig kamen und gingen. Wehen können halt auch in den Rücken ausstrahlen. Meinen Arbeitskollegen war das dann nicht mehr so geheuer. Ich bin dann nach Hause gefahren. Nach einem Telefonat mit Isabelle habe ich dann auch auf meinen Yogakurs an dem Abend verzichtet und bin lieber zu Hause geblieben. Isabelle hat gesagt, dass ich sie jederzeit anrufen könnte, wenn es richtig losgeht, auch nachts.
Um 4:30 Uhr Freitag morgens waren die Wehen dann stärker. Ich habe dann Isabelle angerufen und deinen Papa wachgemacht. Der hat uns zuerst mal Tee aufgesetzt. Er hat dann in seinem „Superman“-Schlafanzug auch noch für einen Lacher gesorgt, als Isabelle gemeint hat, dass das das erste mal sei, dass „Superman“ ihr einen Tee serviert.
Isabelle hat mich dann mit Massagen und guten Worten durch die Wehen begleitet. Das Ganze hat gefühlt ewig gedauert. Irgendwann so gegen 10 oder 11 Uhr morgens habe ich dann Schmerzmittel genommen, weil es nicht mehr zum Aushalten war. Die Wehen kamen, aber gingen übergangslos ineinander über. Es gab keine Pausen dazwischen, aber es tat sich nichts. Nach einer Stunde, dein Papa war schon ganz nervös, haben auch Isabelle und ich eingesehen, dass wir so nicht mehr weitermachen können. Wir haben also doch noch einen Krankenwagen gerufen. Dein Papa hat schnell ein paar Sachen in eine Tasche für mich gepackt und schon war der Krankenwagen vor der Tür. Im Krankenhaus angekommen, hatte die sehr nette aber resolute Ärztin vom Typ russische Kugelstoßerin gesagt, wir sollten zuerst mal eine Urinprobe in den Becher machen. Ich weiß bis heute nicht, ob das zum normalen Vorgehen gehört oder ob es mich nur mal ablenken sollte. Auf der Toilette dann ging es tatsächlich los. Auf dem Untersuchungsstuhl, haben wir dann die Ärztin gefragt, ob wir dich denn mit nach Hause nehmen könnten. Sie hat dann nur genickt und gesagt, dass da nix gegen spricht. Wir hatten dafür extra eine kleine Pappschachtel mitgebracht, die ich zu Hause schon bereit gelegt hatte. Nach der Untersuchung bin ich dann auf eigene Verantwortung wieder aus dem Krankenhaus nach Hause gegangen. Auf die Nachgeburt haben wir dann dort gewartet. Wir waren alle drei ziemlich fertig. Isabelle hat mich noch gut in einer Decke eingepackt und uns dann alleine gelassen. Sie hat dann am nächsten Morgen (Samstags) dann noch mal nach mir gesehen.

Papa und ich haben dich an diesem Tag zu deinem Opa in den Friedwald gebracht. An diesem Baum werden auch wir irgendwann einmal unsere letzte Ruhestätte finden. Ein tröstlicher Gedanke, dass wir dann wieder zusammen sein werden.

Hier hast du mir dann das dritte und wichtigste Geschenk gemacht. Dein Papa hat genauso um dich getrauert, wie ich. Er hat dich genauso gewollt, wie ich auch. Er hat also nicht nur um zu halten, ja zu einem Kind gesagt, sondern weil er es auch wollte. Und dies hätte ich ohne dich nie mit Sicherheit sagen können.

Ich danke dir vielmals für diese Geschenke

Deine Mama
Carina A. schrieb am 22. Februar 2018:
Ein Brief von einer Sternenmama⭐

Clara – die Leuchtende - unser Sternenkind

Diesen Bericht zu schreiben, fällt mir nicht leicht, aber zugleich tut es mir gut, da ich anderen meine
Gefühle mitteilen und vielleicht auch helfen kann. Helfen zum einen, weil ich meine bzw. unsere Erfahrungen offenlege und vielleicht weitere betroffene Menschen aus dem Herzen spreche und zum anderen weil ich anderen zeige, dass man weiterhin mit mir und meinem Mann ganz „normal“ umgehen kann. Wir haben einen Schicksalsschlag erlebt, der uns und unseren Blick auf das Leben verändert hat, aber wir sind weiterhin Teil dieser Gesellschaft und wollen nicht ausgegrenzt, sondern ganz einfach weiterhin angenommen sein.

Eines ist klar: Der Tod von Clara hat mir die Endlichkeit des Lebens mit solch einer Härte und Brutalität bewusst gemacht, dass ich bis heute oft mit Unfassbarkeit auf das Geschehene zurückblicke.
Ich habe gelernt, damit zu leben und dieses Ereignis in mein persönliches Leben zu integrieren und Clara als mein Kind anzuerkennen.

An Clara habe ich während der Schwangerschaft Träume, Vorstellungen und Wünsche geknüpft, die mit ihrem Tod alle nicht mehr in Erfüllung gehen konnten: Ich bin Mama ohne Kind, ich gehe nicht auf den Spielplatz, lese keine Gutenachtgeschichte vor und wechsle keine Windeln. Und doch bin ich Mama.
Denn Clara wurde geboren und ist ein Teil von mir und ihr Tod gehört zu meinem Leben dazu. Ich musste loslassen, obwohl ich noch nicht einmal richtig im Arm halten durfte, ich musste die erträumte Zukunft loslassen, obwohl diese noch nicht angefangen hatte.
Aber für das Loslassen ist man nie bereit, man wird nicht gefragt, man muss es annehmen, weil keine andere Wahl bleibt. Wir mussten dann also als kleine Familie, die eigentlich nie eine werden durfte, eine gemeinsame große Hürde meistern. Die stille Geburt. Und wir haben es geschafft. Irgendwie. Gemeinsam. Voller Liebe.

So schlimm und schmerzhaft diese Erfahrung war, so vorbildlich und gut war der Umgang mit uns und unserem Schicksal durch die MitarbeiterInnen des Krankenhauses. Sie waren für uns da. Sie sahen uns und in unser Herz.

Was auch gut tat, waren Familie und Freunde, die einfach da waren, die mit uns geweint haben, die keine Worte gefunden haben, weil es auch keine gibt. Freunde, die Blumen auf das Grab gestellt haben, weil auch sie sich auf Clara gefreut haben und die bis heute einfach da sind.

Ich bin eine Mama ohne Kind. Zum Glück habe ich eine Geburtsurkunde, die mich daran erinnert. Zum Glück durften wir Clara beerdigen. Im Familienkreis und trotzdem öffentlich. Sie hat ein Grab, wir haben ein Ort der Trauer. Sie ist kirchlich bestattet und damit auch Teil der Gemeinde. Das ist uns wichtig. Denn sie gehört dazu.

Einige Zeit danach lernte ich Sternenmütter kennen, die das gleiche Schicksal mit uns teilen. Sie gaben mir Mut und ich fühlte mich in meinem Schmerz verstanden. Ich bin nicht allein. Wir sind nicht allein. Nicht allein mit unserem Schicksal, unserer Trauer, aber auch nicht mit unserer Lebensfreude. Das Leben, der Alltag hat uns. Wir haben Clara.

Clara hat mir zu einer neuen Einstellung über Leben und Tod verholfen. Seit ihrer Geburt und ihrem Tod überdenke ich viele Entscheidungen in meinem Leben neu.
Aber ich lebe. Und sie ist und bleibt in meinem Herzen. Ich kann auch wieder fröhlich sein und lachen. Denn sie geht mit mir durch den Alltag und hilft mir, dass ich nicht schweigen muss, Clara nicht verschweigen muss, sondern dass ich reden darf. Und auch schreiben. So wie diesen Text.
Ich hoffe, dass ich hiermit Verständnis bekomme nicht nur für unsere Situation, sondern auch für die vielen anderen Sternenkindeltern. Vielleicht fällt es ihnen nun leichter, mit mir, uns und anderen umzugehen. Das ist schwierig. Ich weiß. Aber ein Versuch ist es wert.

Carina A.
Anonym schrieb am 22. Februar 2018:
Meine Geschichte der Fehlgeburt
Ich habe ziemlich früh erfahren, dass ich schwanger sei, denn zu dem Zeitpunkt war meine Periode 4 Tage überfällig. Ich bin am 06.11.17 ins Krankenhaus wegen Schmerzen. Man sagte mir, dass ein Ei unterwegs sei sich einzunisten, es müsste sich noch entscheiden, ob es bleiben möchte oder nicht.
Im ersten Moment war es ein Schock, denn es war ungeplant. Aber dann der schönste ungeplante Plan!
Am 13.11.17 folgte der erste Frauenarzttermin. Es war alles etwas schwierig, denn wenn man von der Periode an rechnet wäre ich da schon in der 7. Woche gewesen, dem war aber nicht so, es war nur eine kleine Fruchthöhle zu sehen, die der 4.-5. Woche entsprach. Mein Eisprung war sehr spät und sie sagte gleich, dass es auch sein kann, dass nichts daraus wird und müsse eine Woche später wieder kommen.
Am 20.11.17 das gleiche. Die Fruchthöhle wäre nicht viel gewachsen und ein Embryo fand sie auch nicht. Sie sagte mir, sie würde uns noch eine Chance geben und ich sollte 1 Woche später wieder kommen.
Für den nächstem Termin hatte ich meinen Freund gebeten mit zu kommen, denn ich sagte ihm, dass unser Kind seinen Papa sehen wolle und sich deswegen noch nicht gezeigt hat.
Also nahm ich ihn zum nächsten Termin mit. Als sie mit dem Schallen begann, sah man ein kleines Wesen und seinen Herzschlag. Es war das Schönste was ich jemals sah, wir haben uns sehr gefreut!
2 Wochen später nochmal zur Kontrolle und das Herzchen schlug kräftig weiter. Sie sagte mir, dass mein HCG-Wert etwas zu niedrig sei und meinte es könne sein, dass mit dem Kind was nicht stimmt, aber es könnte auch sein, dass alles gut sei.
Am 27.12.17 wäre ich in der 10. SSW gewesen. Ich bekam eine leichte Blutung. Wir sind ins Krankenhaus und die Ärztin dort nahmen uns in das Untersuchungszimmer mit. Sie fing an zu Schallen. Ich habe direkt unsere Mupfel erkannt und sofort gesehen, dass es keinen Herzschlag mehr hatte, obwohl die Ärztin 2 Minuten kein Wort sagte. Doch dann kam dieser Satz: "Es tut mir leid, ich finde keinen Herzschlag mehr und es entspricht erst der 8. Woche." Da war unsere Mupfel schon zwei Wochen nicht mehr lebendig in meinem Bauch, denn kurz nach dem letzen Termin sei es verstorben.
Es fühlte sich so an, als ob mir jemand mein Herz rausreißen würde. Es war doch unsere kleine Mupfel und ich dachte, dass es Schicksal sei. Warum wollte es dann nicht mehr bei Mama im Bauch leben.
Ich entschied mich für einen natürlichen Abgang. Es war sofort klar, eine Ausschabung komme für mich nicht infrage, denn ich wollte mein Kind so bekommen, wie eine Mama nun mal ihr Kind bekommt.
Am 30.11.17 hat mein Freund das erste Mal nach der Nachricht seine Hand wieder auf meinen Bauch gelegt und es war so, als hätte es wieder auf Papa gewartet, denn am Morgen vom 31.12.17 kam es dann nach 4 Tagen wehenartigen Schmerzen zur Welt.
Wir haben uns für eine Sammelbestattung entschieden, doch ich las auch, dass es schwierig wird so eine Möglichkeit zu bekommen. Im Krankenhaus werden Mamas gefragt, was ihr Wunsch ist, doch uns hat niemand gefragt, was unser Wunsch ist. Warum haben Mamas, die einen natürlichen Abgang haben, nicht das gleiche Recht wie bei einer Ausschabung?
Das SternenEltern Team Saarland setzte sich sehr für uns ein, damit wir unsere Mupfel auch bestatten dürfen. Dafür danken wir euch!
Steffi Gebers schrieb am 13. Dezember 2017:
Liebe Sandra

wir wünschen Euch einen tollen Start in Eure Arbeit, immer viel Unterstützung und das Ihr viele nette Menschen auf Eurem Weg trefft.

Wir sind froh, uns mit Euch austauschen zu können

Liebe Grüße senden
Die Sterneneltern Achim

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