Gästeblog | Eure Gedanken-Ecke

Erzählt uns die Geschichte von eurem Sternenkind…

Einen neuen Eintrag für das Gästebuch schreiben

 
 
 
 
 
 
 
 
Mit * gekennzeichnete Felder sind erforderlich.
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Es ist möglich, dass dein Eintrag im Gästebuch erst sichtbar ist, nachdem wir ihn überprüft haben.
Wir behalten uns vor, Einträge zu bearbeiten, zu löschen oder nicht zu veröffentlichen.
22 Einträge
anonym schrieb am 21. Februar 2020:
Im Juli sind es 30 Jahre her, dass unser erstes Kind zur Welt kam. Tot. Eine Bilderbuchschwangerschaft. Ein sehr lebhaftes Kind. In der 36. Schwangerschaftswoche ein normaler Vorsorgetermin. Der Arzt fragt mich, wie es mir gehe. Ich sagte: Mir geht es gut - aber seit gestern ist mein Baby so ruhig. Er meint, ich solle mir keine Sorgen machen. Es gehe auf die Geburt zu, der Platz werde weniger, da könne es nicht mehr so viel strampeln. Er mache einen Ultraschall, dann sei ich beruhigt. Er macht den Ultraschall. Ich sehe sofort, was ist. Er sucht und sucht. Keine Bewegung. Keine Herztöne. Doch Herztöne. Frequenz über 150. Sollten die des Kindes sein. Sind meine. Weil ich weiß, was ist. Er ruft einen 2. Arzt hinzu. Möchte nicht alleine die Diagnose stellen. Nutzt nix. Es ist klar: mein Kind ist tot. Mehr weiß man nicht. Sofort in die Klinik. Dort wieder ein Untersuchungsmarathon. Niemand kann das verstehen. Alle vorherigen Untersuchungen und Werte normal. Da das Kind bereits tot ist, komme ein Kaiserschnitt nicht in Frage. Man habe Angst vor einen Leichenvergiftung für mich. Ich muss normal entbinden. Gott sei Dank "darf" ich das. Ich möchte mein Kind selbst zur Welt bringen. Die Geburt wird eingeletiet. Regelmäßige Wehen. Muttermund öffnet sich nicht. Abends Wehentropf ab - Wehen weg. Der nächste Tag das gleiche Spiel. Mit Wehentropf sind starke Wehen da. Der Muttermund tut nix. Mehr Medikamente trauen sich die Ärzte nicht. Sie haben Angat vor einer Uterusruptur. Abends Tropf wieder ab, Wehen wieder weg. Ich möchte mein Kind nicht hergeben. Dritter Tag. Wieder Tropf. Mittags habe ich keine Kraft mehr. Wünsche eine PDA. Danach geht alles recht schnell. Innerhalb 2 Stunden kommt unser Sohn zur Welt. Bei der Geburt ist die Nabelschnur extrem kurz, als sie durchtrennt wird, schnellt sie auf. Sie hatte sich so verkordelt, dass die Versorgung des Kindes abgebrochen war. Es wurde alles untersucht incl. Plazenta etc. . Alles OK. Es hieß: mein Kind war nur zu lebhaft. Dadurch war die Nabelschnur abgedreht worden. Im Krankenhaus war man im Umgang mit uns unsicher aber mitfühlend. Man hatte uns gefragt, ob ich/wir das Kind nach der Geburt sehen wollten. Andere Eltern in unserer Situation hätten das verneint. Uns war es wichtig. Wir durften unseren Sohn im Arm halten, uns verabschieden. Bis er irgendwann in die Leichenkammer sollte. Man hatte uns auch über die verschiedenen Möglichkeiten der Bestattung informiert. Er bekam ein eigenes Grab. Ich brauchte einen Ort, wo ich hingehen kann mit meiner Trauer.
Zwei Dinge bedauere ich bis heute: es gibt kein Foto unseres Sohnes. Die Hebamme sagte, sie habe sich nicht getraut, uns danach zu fragen. Und: ich habe damals statt Geburtsurkunde eine "Sterbeurkunde über die Geburt eines toten Knaben" bekommen. Ohne Namen. Jahre später, als es möglich war, Kinder namentlich eintragen zu lassen, bin ich mit meinem Stammbuch wieder zum Standesamt, um das nachtragen zu lassen. Das ist nicht möglich, da unser Sohn vor dieser Gestzesänderung zur Welt kam.
Ich musste mir damals auch Sprüche anhören wie: Ihr seid doch noch jung, ihr könnt noch viele Kinder haben ... u.ä.. Ich dachte immer: seid doch lieber ruhig. Dann sagt doch lieber gar nichts.
Ich habe 2 weitere Kinder bekommen. Aber eben weitere/andere. Unser erster Sohn ist und bleibt unser erster Sohn. Nach außen sind wir Eltern von 2 Kindern. Innerhalb der Familie gibt es noch jemanden. Der uns immer begleitet.
Ich habe Jahre lang nach einer Möglichkeit gesucht, unseren Sohn "sichtbar" zu machen. Ich habe ja kein Foto. Ihn den anderen nach außen sichtbar gleichzustellen. Vor 2 Jahren, mit Mitte 50, habe ich mir ein Tattoo machen lassen. Heute trage ich alle Kinder immer und für jeden sichtbar bei mir! Ob ein Kind während der Schwangerschaft/Geburt stirbt oder später --- es ist Dein Kind. Ein Teil von Dir und Deinem Leben. Man lernt damit zu leben. Aber der Schmerz bleibt. Auch heute noch.

Wie schön, dass es heute Vereine wie diesen gibt, wo man Unterstützung erfährt, sich ernstgenommen fühlt, Hilfe bekommt.
DANKE euren Einsatz!!
Anonym schrieb am 20. Januar 2020:
Vor kurzem erzählte mir eine ältere Frau ihre Geschichte ?

"Auch ich habe früher ein Kind verloren. Im 8. Monat war ich. Damals wurde mir mein Kind einfach weg genommen und ich weiß nicht, ob es ein Junge oder ein Mädchen war. Niemand hat mich aufgeklärt. Ich stand ganz alleine da und niemand hat mit mir darüber gesprochen. Du bist ja noch jung, waren die Antworten, die ich bekommen habe. Ich durfte nicht darüber sprechen."

Wie oft hören Frauen diesen Satz? Wie oft spricht man von irgendwelchem Material, Ausstoß oder sonstigem? Wieso spricht man immernoch nicht von DEM KIND?

Fast 60 Jahre ist der Verlust ihres Kindes nun her. Verarbeitet hat sie diesen Verlust bis heute nicht.....

Schluss mit dem Tabuthema!
Anonym schrieb am 20. Januar 2020:
Ich hatte einen medizinischen Schwangeschaftsabbruch, da mein Kind schwer krank war. Man sagte mir, ich muss die Schwangerschaft beenden. Wie das Ablaufen soll hat mir niemand gesagt und ich war auch nicht in der Lage nachzufragen. Total überfordert stand ich nun hilflos da und musste diesen Schritt gehen. Was mich dann im Krankenhaus erwartete war eine Katastrophe. Mit meinem Mann war ich alleine auf dem Zimmer und hatte Schmerzen, Wehen,.... Schmerzmittel habe ich nur wiederwillig bekommen. Das Personal behandelte mich, als hätte ich eine Krankheit. Ein Arzt wurde erst auf bitten und drängen hinzugezogen, als die Geburt schon sehr weit fortgeschritten war. Der Arzt sagte, ich solle pressen und dann wäre es da, aber es ging nicht, ich konnte nicht. Ich konnte doch nicht mein Kind im Zimmer bekommen und habe darauf bestanden in den Kreissaal zu kommen. Erst da hatte ich Kontakt zu einer Hebamme. Nach der Geburt musste ich auch direkt in den OP und als ich dann zurück auf mein Zimmer kam durfte ich noch frühstücken und es wurde auch direkt verlangt, dass ich heim gehe. Die Betten wurden benötigt. Verabschieden musste ich mich dann in einem benutzen Kreissaal auf gepackten Koffern. Kein Seelsorger oder Psychologe stand mir zur Seite. Das Klinikpersonal war ungeschult und total überfordert. Keinerlei Informationen habe ich erhalten. Als ich dann in psychologischer Betreuung war, packte ich meine ganze Kraft und schrieb einen Beschwerdebrief, welchen ich in der Klinik eingeworfen habe. Bis heute kam keine Reaktion auf das Schreiben. Daher hoffe ich das ihr durch eure Arbeit etwas bewirkt!
Anonym schrieb am 20. Januar 2020:
Meine Fehlgeburt

Ich ging in der 15. Ssw zur Untersuchung, da mein Kind evtl. nicht gesund sein sollte. Nach einer 3/4 Stunde Ultraschall in der wir angeschwiegen wurden und uns nichts als ein Kopfschütteln entgegen gebracht wurde, bei jeder Fehlbildung, die sie gefunden hat, bekamen wir trocken die Nachricht, dass unser Kind nicht lebensfähig sein soll. Wir wollten erstmal kurz Zeit für uns. Sie ratterte jedoch ihre Texte runter und ich konnte mich garnicht darauf konzentrieren. Wir könnten nun abwarten bis das Kind in ein paar Wochen stirbt oder in 3 Tagen einen Abbruch vornehmen. Ich wollte eine Untersuchung, um die Krankheit festzustellen, bevor ich einen Abbruch in Erwägung zog. Der dann zur Untersuchung hinzugezogene Arzt, der unterstützend den Schallkopf hielt, wurde von ihr nicht darüber informiert, dass unser Kind nicht leben wird. Nichtsahnend schaltete er zweimal die Herztöne ein, damit wir unser Kind bewundern konnten. In diesem Moment fast unerträglich. Die Tränen flossen und sie sagte einfach nichts. Nach 4 Tagen bekamen wir die Diagnose und ich wurde gleich aufgenommen, um eingeleitet zu werden. Ich erhielt im Voraus keinerlei Infos. Ich wusste nur ich musste mein Kind normal entbinden. Auf Nachfrage hin wurde mir gesagt, dass es 16 Stunden bis zu 5 Tage dauern kann bis das Kind kommt. Ich erhielt meine Tablette, eine Bettpfanne, ein Zimmer und ein Blatt auf denen Infos zur Bestattung standen. Ich las, dass ich hätte einen Sarg mitbringen können. Wie gerne hätte ich das getan, aber es war zu spät dafür.
Und da war ich nun mit meinem Mann, alleine. Niemand der einem zur Seite stand. Nach 4 Stunden setzten die Wehen ein. Nach 8 Stunden verlangte ich die ersten Schmerzmittel, nach 12 Stunden kollabierte ich fast vor Schmerzen und ab da war es kaum mehr zum aushalten. Die Nachtschwester konnte zu wenig deutsch, um zu verstehen, dass mir schwarz vor Augen war. Ich fühlte mich einfach verlassen. Niemand der einer Erstgebährenden sagte, wie man Wehen veratmet oder generell damit umgeht. Von der psychischen Ausnahmesituation ganz zu schweigen. Nach 15 Stunden verlangte ich nach einer Hebamme oder einem Arzt, die mir sagen können, wie es weitergeht und ob sich schon irgendwas tut. Irgendwann hatte ich die Idee einfach mal zu pressen, vielleicht hilft es ja, denn vorbei kam niemand. Nach weiteren 1,5 Stunden kam eine Ärztin, die dann genau in dem Moment der Geburt die Tür öffnete. Jetzt brauchte ich auch niemanden mehr. Sie nahm mein Kind entgegen und drückte dabei den Kopf, sodass er platzte. Ich sagte ihr, dass ich mein Kind sehen möchte. Sie war ganz verwirrt, wie Sie wollen es sehen? Ja es ist mein Kind. Sie nahm es mit und brachte es wieder in eine Pappnierenschale auf Kompressen gebettet und mit Zellstoff abgedeckt. Für mich als Krankenschwester ist diese Schale zum reinbrechen da, aber nicht um mein Kind zu betten.... Ein Anblick der bis heute noch schmerzt. Ich machte ein paar Bilder mit dem Handy. Die einzige Erinnerung an unsere kleine Maus. Ganz nackt lag sie da. Heute weiß ich, dass es Einschlagdecken gibt, in die ich sie hätte legen können. Aber mir wurde keine gegeben.
Wir durften sie für ganze 15 min. verabschieden, denn dann sollte ich in den OP. Dies wurde jedoch verschoben, da ich wenige Minuten vor der Geburt ein paar Stixi gegessen hatte. Deswegen konnte sie länger bei uns bleiben. Wenigstens etwas positives. Ich wartete den ganzen Tag mit heftigen Nachwehen auf meine OP. Ich kam nach 7 Stunden zur OP-Schleuse, wurde aber wieder auf's Zimmer gebracht, da ein Notfall dazwischen kam. Gegen 17 Uhr war Chefarztvisite. Er regt sich auf, weshalb ich immernoch hier sei. Der erste, der sich darum kümmerte, dass ich endlich operiert wurde. Nach 24 Stunden ohne Essen war es endlich soweit. Ich wurde operiert. Aber erst nachdem ich mir vom Anästhesisten einen Anschiss anhören durfte, wie ich denn Stixi essen könnte, obwohl ich doch als Krankenschwester wissen müsste, dass ich nüchtern sein muss. Er hat mich tatsächlich angeschnauzt. Wir Sie sind die von heute morgen mit den Stixi? Ich dachte ich sei im falschen Film. Ich sagte nur... Ich konnte nicht ahnen, dass mein Kind so plötzlich kommt und.... Mehr hat ihn nicht interessiert und er drehte sich um und ging. Nachts um halb 12 konnte ich endlich nach Hause und musste die letzten paar Tage erstmal verdauen. Und das nicht nur den Verlust meines Kindes betreffend. Die Art und Weise der Behandlung oder auch Nichtbehandlung hat mich sehr geprägt. Meine Angst beim 2. Kind nochmal solch eine Geburt erleben zu müssen, war wirklich immens. Nie wieder würde ich in dieser Klinik ein Kind entbinden wollen.
Anonym schrieb am 20. Januar 2020:
Die schlimmste Zeit meines Lebens

In der 15 SSW ging ich zur Nackenfaltenmessung. Eigentlich wollte ich diese Untersuchung nicht machen lassen, weil es laut Ärzten in meinem Alter (damals 27) sehr unwahrscheinlich wäre ein nicht gesundes Kind zu bekommen. Jedenfalls hatte ich ein ungutes Gefühl. Also ließ ich die Untersuchung machen. Ergebnis 1,3cm Nackenfalte. Normal wäre bis 1mm gewesen. Der Arzt sagte: Hier stimmt was nicht, sowas auffälliges habe ich schon lange nicht mehr gesehen! Ich schicke sie zu einem Spezialisten. Gesagt, getan.... Ich konnte es nicht glauben. Warum passiert mir so etwas. Warum kann nicht einfach alles in Ordnung sein... Es sollte eine Fruchtwasseruntersuchung gemacht werden. Diese lehnte ich ab. Anhand der Ultraschall Untersuchungen konnte man bereits erkennen das unser Kind keine Chance haben wird. Die Diagnose lautete: Turner-Syndrom oder Trisomie 13. Da saßen wir nun, in der Klinik, mit dem Wissen das unser Kind sterben wird. Man sagte uns wir könnten abwarten was passiert oder die SS beenden lassen. Ich entschied mich für letzteres. Ich wollte mein Kind nicht weiter leiden lassen. Also fuhren wir an dem besagten Tag in die Klinik. Wurden von den Ärzten im Kreißsaal freundlich empfangen. Beide nahmen sich viel Zeit um alles noch einmal zu besprechen und dann nahm alles seinen Lauf.... auf dem Zimmer, der WÖCHNERINNEN STATION!!! angekommen sollte ich anfangen Tabletten zu nehmen. Ich fragte was diese Tabletten bewirken. Aussage der Schwester war das sie die Geburt in Gang bringen. Dies könnte von Stunden bis Tage dauern. Mittags um drei fing ich damit an morgens um sechs war unser kleiner Stern Luna da. Diese Stunden waren einfach nur der Horror. Ich konnte kein Auge zu machen vor Schmerzen und Ängsten. Schmerzmittel gabs nicht, weil Blutdruck zu niedrig. Die Nachtschwester war gefühlt Jahre jünger als ich und hatte wenig Verständnis für meine Situation. Ich sollte bei jedem Toilettengang die Bettpfannne benutzen, da "es" ja jederzeit passieren könnte. Es war einfach nur schlimm. Pünktlich zum Schichtwechsel passierte es dann. Mein Kind kam auf der Toilette zur Welt und ich war völlig auf mich alleine gestellt wusste nicht wie mir geschieht. Ich klingelte, es kamen zwei Schwestern. Legten mich ins Bett, die Ärztin kam, fummelte ohne viel Worte an mir rum und schon hatte ich das Op-Hemd an und lag auf der Schleuse. Wach wurde ich in meinem Zimmer. Eine Schwester kam rein und meinte wenn sie es noch sehen wollen müssen sie das schnell entscheiden weil wir es weg geben müssen. Ähm mein Kind.... wohin geben? Gehts noch!!! Ich hatte keine Zeit zum antworten da war sie schon weg und kam mit einer Nierenschale und Kompressen drin wieder. Da lag sie. Unsere Luna.... in einer Nierenschale ? es war unter aller Würde, aber ich war zu versteinert um etwas sagen zu können. Die Schwester meinte dann nach fünf min. das es jetzt Zeit wäre sich zu verabschieden. Ich würde ja auch bald entlassen werden. Also packte ich vier Stunden nach der OP meine sieben Sachen und wir fuhren nach Hause, ohne unser Kind. Ohne Infos wies nun weitergeht, noch worum wir uns kümmen können oder sollten. Man sagte uns lediglich das unser Kind in die Pathologie käme. Dort rief ich dann ein paar Tage später an und sprach mit einer sehr netten Frau die mich dann über alles weitere aufklärte. So durften wir unsere Luna nach der Obduktion dort abholen und haben sie im Grab meiner Großeltern beigesetzt. Es war ein wichtiger Schritt für mich, auch wenn sie die 500g Grenze nicht überschritten hatte, sie ordnungsgemäß zu bestatten und einen festen Platz für sie zu haben ❤
Anonym schrieb am 20. Januar 2020:
Eine gute Freundin der Familie erzählte mir, lange bevor wir selbst zu Sterneneltern wurden, von diesem tollen Verein den sie gerade gegründet hatten. Sofort war klar wir unterstützen diese so wichtige Arbeit als Fördermitglieder. Wer konnte ahnen , dass auch wir bald schon zu Sterneneltern wurden. Im Frühjahr 2018 bekam ich die Diagnose Endometriose. Ich fand eine tolle Frauenärztin in Saarbrücken, welche mich rundum gut beraten hatte und mir trotzdem nicht den Mut raubte, Kinder zu bekommen. Doch nüchtern betrachtet wusste ich es wird nicht einfach. Aber zu dem Zeitpunkt wollten wir erst einmal noch gar keinen Nachwuchs. Erst einmal stand im Vordergrund die Schmerzen zu regulieren. Dies brachte auch eine Schwangerschaftsverhütung mit einer bestimmten Pille mit sich. Da mein Zyklus zu dem Zeitpunkt nicht regelmäßig war, musste ich abwarten. Relativ schnell veränderte sich mein Körper und typische Anzeichen einer Schwangerschaft kamen zum Vorschein. Aber nein dachte ich mir , man sagte mir erst kürzlich, dass eine Schwangerschaft sehr sehr schwierig sein würde. Also schob ich alle Anzeichen erst mal weg von mir! Doch als nach zwei Monaten meine Periode immer noch nicht kam, wagten wir uns und machten einen Schwangerschaftstest. Positiv! Zweiter Test - positiv! Die Gefühle die in dem Moment kamen, waren schwankend - auch wenn das für viele egoistisch klingt - ich fühlte mich nicht bereit - Unsicherheit - Angst - all das spielte an dem Tag eine große Rolle.
Meine Frauenärztin war in Urlaub , aber auf Grund meiner Erkrankung schob mich der Professor einen Tag später zwischen seine Termine. Da war es nun, das erste Ultraschallbild! Der Professor war sehr ruhig, nahm sich viel Zeit und ich merkte irgendwas ist nicht in Ordnung. Er entnahm Blut für den HcG Wert zu kontrollieren und erklärte uns im Zimmer, dass ihn etwas verunsichert. Er kann es noch nicht genau betiteln, aber er möchte abwarten bis die Blutwerte da sind. Zwei Tage sollten wir warten. Donnerstags morgens bestellte er mich dann wieder in die Praxis, obwohl sie geschlossen war. Ergebnis 10. Schwangerschaftswoche. Wieder machte er einen Ultraschall und wurde unruhiger. Er bat uns direkt in die Klinik zu fahren. Er würde selbst mitkommen, aber er habe wichtige private Verpflichtungen. Würde aber alles veranlassen - meinem Lebensgefährten teilte er mit, es könnte sich um eine Andockung einer Zyste am Fötus handeln, der am Eileiter haftet. Dies könnte sehr gefährlich für mich und das Kind sein.
Man müsste durch eine Bauchspiegelung das ganze klären.
Also ab in die Klinik.
Und dort begann das Drama. Ich wurde von 4 Ärzten in der Notaufnahme untersucht . Alle mit der selben Diagnose und Bauchspiegelung. Man klärte mich nicht auf, welche Risiken es mit sich bringen könnte, was mit dem Baby passiert nix... Eine einzige Ärztin im Notfall Team war wirklich liebevoll. Aber sie durfte die Op nicht durchführen.
Ich musste 7 h warten, da ich nicht nüchtern war.
5h setzte man mich auf einen Flur. Abgestellt wie ein Idiot.
Nach 5h kam eine Schwester und bat mich nochmals mit in ein Behandlungszimmer zu kommen, die Oberärztin würde mich gerne vor der Op noch einmal sehen. In dem Behandlungszimmer war ich ohne meinen Lebensgefährten. Zwei Schwestern , Oberärztin und ein Arzt. Sie stellte sich nicht vor, keine Ansprache, nix. Ausziehen , Stuhl , Ultraschall... Eine Vorgehensweise wie bei einem Metzger. Nach wenigen Sekunden sagte sie: "Sie können sich anziehen. Sie müssen zwei Nächte stationär da bleiben zur Kontrolle." Auf meine Frage , ob nun keine Op statt findet, bekam ich eine Antwort, die mich bis heute erstarren lässt. "Wir brauchen keine OP, das halte ich für unnötig, sie hatten laut Blutwerte einen Abgang!"
Abgang?!? Was bedeutet das, mein Kind ist tot? Aber heute morgen war doch noch alles machbar? Ich brach in Tränen aus und konnte das ganze nicht verstehen. Ich wollte Antworten. Die einzige Antwort, die ich bekam, war: " Seien sie doch froh, so wissen sie nun, dass es ihnen möglich ist Kinder zu bekommen!"
Bitte???? Sind das die Antworten, die man einer Frau gibt, die gerade nüchtern vor den Kopf geknallt bekam, sie habe ihr Kind verloren???

Ich war wie erstarrt, rief meinen Partner an, der zwischenzeitlich kurz zuhause war. Man brachte mich auf eine Station. Meine Bettnachbarin, eine Frau, die gerade einen Kaiserschnitt hatte ...Genau das wünscht man sich in diesem Moment. Ein Zimmer zu teilen mit einer frischgebackenen Mama. Als Grund gab man an, überbelegt zu sein und es ihnen leid täte. Eine Schwester kam mit der Aussage: "Das passiert sehr oft in den ersten Wochen, Kopf hoch!"

Eine Horrornacht ohne Schlaf und vielen Tränen. Keine Aufklärung, keine Erklärung wie es weiter geht. Ich entschloss mich am nächsten Morgen bei der Visite meine Sachen zu packen und zu gehen . Das HcG Hormon kann auch mein Arzt testen. Bei der Visite bekam ich eine Spritze mit dem Nebensatz: "Sie sind Rhesusfaktor negativ - das brauchen sie" Ich weiss nicht wann ich mich das letzte Mal so gefühlt habe. Man entschloss sich keine Ausschabung zu machen.

Zuhause ging ich in der darauffolgenden Woche direkt zu meinem Frauenarzt und erzählte ihr alles. Sie nahm sich 2h Zeit, um mir alle Fragen zu beantworten, mit mir zu trauern und mir Mut zu machen nicht aufzugeben.
Mein Abgang kam 2 Wochen später mit meiner Periode. Dies erklärte mir meine Frauenärztin. Wenn es nach der Klinik gegangen wäre, wüsste ich heute noch nicht was passiert ist.

Warum wir darüber reden? Um Familien die Kraft zu geben ihr Schweigen zu brechen. Euer Baby ist euer Kind - egal ob 4. SSW oder 30.SSW.
Ich habe keine Erinnerung an unser Kind, ausser diese negativen Erfahrungen.
Spricht darüber und schweigt nicht !

Wir geben die Hoffnung nicht auf, irgendwann doch noch Eltern zu werden!
Anonym schrieb am 20. Januar 2020:
Es ist Dienstag der 20. Dezember 2016. Es ist mein zweiter Urlaubstag und endlich sollte ich meinen Termin beim Endokrinologen haben auf welchen ich schon Monate lang gewartet hatte. Nach dem Absetzen meiner Pille ließ meine Periode ständig ewig auf sich warten. Bei der Endokrinologin wurde mir mitgeteilt, dass meine Blutwerte eine erneute natürliche Schwangerschaft schier unmöglich machen. Es wurde uns geraten, einen Termin in einer Kinderwunsch Klinik zu machen. Auf dem nach Heimweg war mir leicht schwindlig und ich dachte „ach was soll’s,Wahrscheinlich bist du nicht schwanger aber einen Test kannst du ja trotzdem mal machen!“Ich kaufte zwei Schwangerschaftstests im DM und zu Hause angekommen führte ich direkt einen durch. Nach wenigen Sekunden erschien ein dickes plus auf dem Schwangerschaftstest und meine Freude war einfach nur riesengroß. Auch der digitale Schwangerschaftstest fiel positiv aus und ich fing vor Freude an zu weinen. Ich hatte starke Rückenschmerzen und ich suchte aus diesem Grund einen Tag später einen Orthopäden auf. Dieser meinte, ich wäre ausgerenkt und dass er mich einrenken wolle. Ich entgegnete ihm, dass ich schwanger sei und er meinte , das wäre kein Problem; er würde auch vorsichtig sein und dem Kind könne nichts passieren. Er drückte mich auf die Liege und drückte mir mit einem fürchterlich lauten Krachen meine Wirbel wieder zurecht . Einen Tag später konnte ich mich fast nicht mehr bewegen und auch kaum gehen. Ich habe mir nichts dabei gedacht und noch am gleichen Tag rief ich bei meiner Frauenärztin an um ihr von meinem positiven Schwangerschaftstest zu berichten. Schon abends machte diese einen Ultraschall und gratulierte mir zur Schwangerschaft. Es war unfassbar. Wir freuten uns unendlich und konnten glücklicher nicht sein. An Heiligabend berichteten mein Freund und ich meinen Schwiegereltern freudestrahlend von der Schwangerschaft und wir malten uns aus wie es wohl ist, ab Sommer Eltern und Großeltern zweier süßen Kinder zu sein. Am ersten Weihnachtstag bemerkte ich, dass ich blutete. Ich bekam Panik und versuchte mich zu beruhigen. Da ich aufgrund meiner Rückenschmerzen weder liegen, sitzen noch richtig laufen konnte ,beschlossen wir,nicht länger zu warten und doch mal ins Krankenhaus zu fahren um nachschauen zu lassen,ob es unserem Würmchen gut ging. Ich ahnte nichts gutes. So saßen wir nun da , stundenlang , mitten auf dem Flur vor den Aufzügen und warteten , dass ich endlich mal untersucht werden konnte. Tränen liefen über mein Gesicht und ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Die Rückenschmerzen , die seelischen Schmerzen,unerträglich. Nach etlichen Stunden wurde ich von einer jungen Ärztin mit den Worten „die Schmerzen kommen wohl vom Ischias und ich kann keine Frichthöhle sehen“, untersucht. Es wurde mir Blut abgenommen und es wurde mir mitgeteilt, dass ich abends anrufen solle , der Ergebnisse wegen. Ich rief zu der mir mitgeteilten Uhrzeit an und es wurde mir gesagt, dass die Ergebnisse noch nicht vorliegen würden. Im Stundentakt rief ich an und um 23 Uhr sagte man mir, vor morgens würden keine Ergebnisse vorliegen. Nach einer schlaflosen Nacht rief ich morgens erneut an und die Ärztin meinte nur „ihr hcg liegt nur bei 27. es sieht wohl so aus,dass sie gerade einen Abgang haben ! Ich solle am nächsten Tag mittags wieder kommen um erneut Blut abzunehmen ,damit geschaut werden konnte , ob der hcg wert zurück ginge oder vielleicht doch ansteigt. Am nächsten Mittag haben wir uns voller Hoffnung noch mal vorgestellt. Wieder mussten wir drei Stunden warten. Dann wurde ich aufgerufen und es wurde mir mitgeteilt , dass ich weder untersucht werde, noch erneut Blut angenommen wird weil ich zuvor ja als Notfall da gewesen wäre und jetzt keine weiteren Untersuchungen mehr bezahlt werden würden. Ich solle mir einen Notdienst zwischen den Feiertagen suchen und die sollten das dann in der Praxis machen. Es war zwischen Weihnachten und Silvester und zum Glück fand ich eine ganz tolle Ärztin die mich untersuchte und auch an meinem seelischen Befinden interessiert war. Im Krankenhaus hatte sich nämlich absolut niemand für mich interessiert. Ich entschied mich gegen eine Ausschabung und die nächsten Tage zogen an mir vorbei und ich sah alles nur noch wie durch eine Blase.. meine Familie litt sehr mit mir mit , meine damals dreijährige Tochter konnte ich nicht versorgen und mein Partner war einfach ganz toll für mich da . Ich habe geblutet , gelitten und geweint. Tagelang , Nacht für Nacht lag ich wach und ich konnte es einfach nicht fassen. Mein Baby , unser so sehnlichst erwünschtes Kind , war einfach nicht mehr da. Bis heute kann ich es nicht verstehen und ich habe es bis heute auch nicht verkraftet. Auch schwanger wurde ich seit dem nicht mehr und ich weiß auch nicht, ob der Traum von einem zweiten Kind jemals in Erfüllung gehen wird ❤️
Annett aus Niederau schrieb am 9. Januar 2020:
Der 17.10.2017 ein ganz normaler Dienstag, wir hatten einen routinemäßigen Termin beim FA. Das erste CTG, 34+5ssw. Schwester suchte nach den Mädels, eine fand sie sofort, die zweite musste sie suchen. Sie suchte und suchte, weder ich noch mein Mann hätte in den Minuten daran gedacht das etwas nicht stimmt. Schwester meinte wir schreiben trotzdem CTG und schauen dann mal wo das zweite Mäuschen liegt. Wir zum Ultraschall, Arzt blieb still. Ich hab erstmal nur auf den Monitor geschaut, mein Mann sah immer wieder zum Arzt der blass wurde. Das kam der Satz, ich finde nur noch einen Herzschlag, es tut mir leid. Er bat uns zur Klinik zu fahren um eine zweite Meinung zu bekommen. Er rief an und berichtete alles. Wir ins Auto und auf zur Klinik. Es war eine Ewigkeit, ich schaute nur aus dem Fenster, mir war alles egal und es liefen Tränen. Der Arzt in der Klinik bestätigte uns leider den Verdacht. Wir wurden gefragt wie es weiter gehen soll. Ich beschloss das am nächsten Tag eingeleitet werden soll. Wir wurden auf ein Familienzimmer gebracht, mein Mann rief unsere Eltern an um auf meine große Tochter aufzupassen. Ich weiß nicht mehr wie die Nacht war. In der Früh musste ich in den Kreißsaal zum CTG,, es war alles so unrealistisch. Es wurde alles besprochen und uns wurde eine Psychologin vorgestellt. 12:15uhr wurde die Fruchtblase geöffnet, die wehen kamen schnell. 19:02uhr kam unsere Aurelie mit einem Schrei, 19:08uhr folgte ihre Zwillingsschwester Melina im stillen. Ich weiß nicht mehr von der Zeit zwischen den beiden Mädels. Mein Mann hoffte bis zum Schluss das sie noch schreien wird, doch sie blieb still. Eine Kinderärztin nahm Melina in Empfang und ging mit ihr nach draußen. Nach einer gefühlten Ewigkeit bekam ich beide Mädels auf die Brust gelegt. Es entstanden unbeschreiblich schöne Fotos von dein sternenkind. Ich musste leider schnell in Vollnarkose gelegt werden da sich die Plazenta von Melina nicht gelöst hat und somit entfernt werden musste. Als ich erwachte wurde ich bereits auf die Neo gefahren wo beide zusammen in einem Wärmebettchen lagen. Der Anblick zerriss mir das Herz beide schliefen friedlich nur Melina für immer. Gegen 3:30uhr wurde mein Mann auf Station angerufen um zu mir zu kommen um sich zu verabschieden, sie müssen Melina aus dem wärmebettchen nehmen. So bekam ich sie zum letzten Mal auf die Brust gelegt. Ich machte für mich noch ein Foto. Dann übergaben wir sie der Schwester. Aurelie machte sich gut, sie nahm zu, alles sehr vorbildlich für ein Frühchen. Nach 10 Tagen durften wir die Klinik verlassen. Ich bedankte mich unter Tränen bei den Ärzten und Schwestern. Wir durften unsere Melina noch ein letztes Mal beim Bestatters sehen, es verabschiedeten sich unsere Hebamme, Papa, Mama, Aurelie und ihre große Schwester Helena. Auch dabei wurden Bilder von dein sternenkind gemacht. Zur Beerdigung im Friedwald kamen noch die Kinderärztin, Hebamme, diensthabenden Schwestern und Großeltern. Dies zeigte uns das man an sie denken wird.
Es gab oft Momente an den ich leider keine Erinnerung mehr habe, aber such welche die bis heute in meinem Kopf sind.
Ich möchte mich bei unserer Melina bedanken das sie mir mit ihrer Zwillingsschwester das Gefühl ermöglicht hat zu wissen wie es ist eine zwillingsmama zu sein.
Sarah Teil 6 schrieb am 24. November 2019:
Wir behielten Lio noch ungefähr eine Stunde bevor ich meinem Mann sagte, dass wir ihn jetzt "abgeben" müssen. Ich hatte das Gefühl, ihn sonst nicht mehr loslassen zu können, wenn ich es nicht jetzt tat. Ich bat meinem Mann ihm wenigstens noch einmal das Tageslicht zu zeigen. Mit ihm im Arm ging er ans Fenster. Ich werde das Bild nie vergessen, wie er dort stand und unseren kleinen Sohn Richtung Sonne hielt. Danach gab er ihn mir wieder. Ich drückte ihn ein letztes Mal an mein Herz, sagte ihm nochmal wie sehr ich ihn liebte und gab ihn dann schweren Herzens der Schwester mit. Kaum war er nicht mehr in unserem Zimmer, verschoben sich einige Wolken. Die Sonne strahlte plötzlich so hell in unser Zimmer. Eines von vielen Zeichen, die wir in den folgenden Wochen immer wieder bekamen.
Was bis heute nicht verschwunden ist, ist das Gefühl von Leere, welches Lio hinterlassen hat. Ich habe jeden Tag das Gefühl, dass ein Stück von mir fehlt; Irgendwo weit weg einen Platz gefunden hat.
Jeder Schritt den ich ab Lios Geburt machte fühlte sich anders an; ja sogar Berührungen waren anders. Das komischste Gefühl war meinen Bauch zu streicheln. Es war eine Angewohnheit, die nur schwer abzulegen war. Als Lio noch in meinem Bauch wuchs fühlte es sich immer so an, als würde die Berührung meines Bauches bei ihm ankommen; fast so als würde er zurückstreicheln. Nach der Fehlgeburt war dort einfach nichts. Nur Leere und ein beklemmendes Gefühl von Schmerz. Selbst heute kann ich meinen Bauch noch nicht so berühren wie ich es mit Lio getan habe, ohne in Tränen auszubrechen. Er fehlt. Jeden einzelnen Tag. Ich hoffe, dass diese Leere irgendwann nur noch durch die Dankbarkeit ersetzt wird, die ich in mir trage. Dankbarkeit dafür unseren Lio unter meinem Herzen getragen zu haben, ihn spüren zu dürfen. Seine Liebe in meinem Herzen zu fühlen und obwohl er nicht mehr bei uns ist, die Gewissheit zu haben, dass er immer bei mir sein wird.
Die Liebe für dich wird nie vergehen. Bis wir uns wiedersehen, kleiner Stern. Deine Mama
Sarah Teil 5 schrieb am 24. November 2019:
Danach ging alles so schnell, dass ich nicht mal wirklich Zeit dazu hatte, meine Gefühle zu
sortieren. Die Hebamme verschwand sofort mit Lio, während die Ärztin mir etwas zum
Zusammenziehen der Gebärmutter spritze und eine Schülerin mir etwas zum Neutralisieren
der Magensäure reichte. Dann halfen sie mir schon in das OP-Hemdchen und die
Trombosestrümpfe. Ehe ich mich versah, war ich auch schon auf dem Weg in den OP, ohne
mein Kind gesehen oder meinen Mann verabschiedet zu haben.
Im OP folgte eine Standpauke der Narkoseärztin, warum ich 4h vorher etwas gegessen hatte
und wer mir das gegeben hätte. Ich hätte am liebsten geweint. Ich hatte gerade mein totes
Kind geboren. Ich hätte mir gewünscht, dass sie mir wenigstens die Angst vor einer
Vollnarkose nehmen würden, anstatt mich noch fertig zu machen, weil ich was gegessen
hatte.
Um kurz nach 23:00 wachte ich im Aufwachraum auf. Man sagte mir das alles gut gelaufen
wäre, ich allerdings über Nacht im Aufwachraum zur Überwachung bleiben müsste, weil ich
so viel Blut verloren hätte. Ich verneinte. Ich wollte zu meinem Kind. Nach einer scheinbar
ewig dauernden "Diskussion" durfte ich schließlich um 1 Uhr nachts endlich doch auf mein
Zimmer. Dort sah ich unseren Lio 3 1⁄2h nach seiner Geburt das erste Mal.
Es war das Traurigste und gleichzeitig Schönste was ich je gesehen habe. Er war liebevoll in
eine Einschlagdecke eingewickelt worden, die wir uns zuvor ausgesucht hatten. Ich
streichelte seine kleine zarte Hand, versuchte mir jedes noch so kleine Detail von ihm
einzuprägen. Das Schönste war sein Lächeln. Das werde ich wohl nie vergessen. Es war wie
ein Zeichen. "Mami, Papi mir geht es jetzt gut. Ich liebe euch auch." Währenddessen machte
eine wunderbare Fotografin Bilder von uns und unserem kleinen Engel. Wir sind ihr so
unglaublich dankbar für diese Erinnerungen. Danke Marie @ajaxfairies , dass du und Sandra
von @sterneneltern_saarland euch sofort auf den Weg gemacht und uns Erinnerungen
geschaffen habt, die uns sonst nicht möglich gewesen wären. Danke für eure Worte. Jedes
einzelne hat uns berührt. Danke, dass es Menschen wie euch gibt, die selbstlos anderen
Menschen in ihrem Schmerz zur Seite stehen.
Nach einiger Zeit ließen uns die beiden alleine. Als sich die Tür schloss waren wir das erste
Mal seit Stunden alleine. Wir zwei mit unserem Sohn. Ich hatte ihn die ganze Zeit auf meiner
Brust liegen und legte meine Hand beschützend auf seinen Körper.
Lio blieb solange bei uns, bis wir einschliefen und Angst hatten er könnte vom Bett fallen. Wir riefen eine Schwester, die unseren kleinen Engel mitnahm und ihn am nächsten Morgen wiederbrachte. Alle gingen respektvoll mit ihm um, auch wenn immer wieder der Standardspruch "Sie sind ja noch jung blablabla" fiel.
Das alles übertraf allerdings ein Arzt, der nach all den beschissenen Standardfloskeln, das Körbchen unseres Kindes griff und damit das Zimmer verließ, als würde er zu einem Einkaufsbummel gehen. Entsetzt starrten wir ihm hinterher. Am liebsten hätte ich ihm hinterhergerufen, dass das unser Kind ist und nichts ohne Wert, aber ich hielt mich zurück. Ich wollte Lio einfach so schnell wie möglich wiederhaben. Irgendwie hoffte ich, dass noch mehr Liebe in seinen kleinen Körper fließen würde und er all das mit seiner Seele an den Ort tragen könnte, der ab jetzt seine Welt war.
Sarah Teil 4 schrieb am 24. November 2019:
Als ich am 24.09.19 die erste Tablette um 13 Uhr nehmen musste, wusste ich, dass ich es
nicht hätte tun können, wenn mein Kind eine Chance gehabt hätte, wäre sie auch noch so

klein gewesen. Die Entscheidung zu treffen, dass es genau jetzt so weit war ihn gehen zu
lassen, war schrecklich. Immer wieder streichelte ich meinen Bauch und sagte ihm, dass ich
ihn liebte und er nicht glauben sollte, dass wir ihn nicht gewollt hätten.
Im 4h-Takt folgten weitere Tabletten. Kein Arzt schaute mal nach mir. Auf die Frage wie
lange es dauern könnte und wie das ganze abläuft, habe ich nie eine Antwort erhalten. Ich
sollte Bescheid geben, wenn mir etwas komisch vorkommen oder ich Blutungen bekommen
sollte. Ja und was war komisch? Im Vorfeld wurde mir gesagt, dass ich das Maximum an
Schmerzmittel bekommen durfte. Nach der 2. Dosis Schmerzmittel, die ich um halb 10
abends bekam, sagte man mir dann, dass sich nichts tun würde, wenn ich es nicht aushalten
würde. Also tat ich das. Bis zur Geburt nahm ich keine Schmerzmittel mehr ein.
Am 25.09. um 19:30 Uhr wurden die Schmerzen aber so schlimm, dass ich sie nicht mehr
aushalten wollte. Es war nur noch ein Dauerschmerz ohne Pause, also verlangte ich mir
welches. Das kam auch direkt, zeigte aber keinerlei Wirkung. Auch das Schmerzmittel,
welches darauf folgte, änderte rein gar nichts an den Schmerzen.
Immer wieder sprachen die Schwestern von einem Druck nach unten, aber auf die Frage wie
sich dieser anfühlte bekam ich keine Antwort. Also fragte ich meine beste Freundin, die erst
im Januar ihren kleinen Schatz geboren hatte. Hätte ich ihre Erklärung nicht bekommen,
hätte ich unseren Lio alleine mit meinem Mann bekommen, da niemand mal nach mir sah.
Selbst als ich sagte zu glauben, dass es jetzt losging, dauerte es noch gute 30 Minuten bis
eine Ärztin nach mir sah und bestätigte, dass ich recht hatte.
Ich wurde in den Kreißsaal gefahren und mit meinem Bett dort abgestellt. Ja abgestellt!
Nachdem sich 5 Hebammen, Schüler und Ärzte vorgestellt hatten, verließen sie alle den
Kreißsaal mit dem Satz "Sie müssten noch etwas erledigen." Es war dort kurz nach 21 Uhr. Es
folgte Wehe um Wehe. Ich hatte Angst etwas falsch zu machen, also ertrug ich sie nur,
merkte aber das egal wie wenig ich machte mein Kind immer tiefer rutschte.
Ich bat meinen Mann zu klingeln, was er auch tat. Ich trug noch meine Unterhose. Immer
wieder sagte ich ihm, dass ich diese gleich ausziehen würde, wenn niemand kommen würde.
Ich würde unseren Lio nicht so bekommen. Mein Mann stimmte zu. Gerade als wir dabei
waren kamen zwei Hebammen die Tür rein und fragten was los wäre. Es war 21:23 Uhr. Ja
was war wohl. Ich bekomme hier mein Kind. Wäre schön, wenn ich das nicht alleine tun
müsste. Wenn ich die Kraft gehabt hätte zu schreien, hätte ich das getan. Gerade als wir die
Unterhose ausziehen wollten, folgte die nächste Wehe, die ich wieder nicht nutzte, weil ich
ja immer noch meine Unterhose trug. Beim Ausziehen fragte sie schon, ob wir unseren
kleinen Lio direkt sehen wollten. Ich sagte "Geben sie mir fünf Minuten." Plötzlich ging alles
so schnell, dass ich so überfordert war. Sie antwortete "Ok. Bei der nächsten Wehe drücken
sie mit." Ich nickte, doch eine weitere Wehe blieb aus. Also drückte ich so.
Um 21:27 Uhr kam unser Lio still zur Welt und mit ihm die Erkenntnis, dass er nun fort war.
Ich wurde oft gefragt, ob ich die Geburt als schlimm empfand und ich kann darauf ein klares
Nein antworten. Für einen kurzen Moment durchströmte mich sogar ein Glücksgefühl
unseren Sohn geboren zu haben.
Sarah Teil 3 schrieb am 24. November 2019:
Auch sie bestätigte die bereits genannten Diagnosen und fügte noch einige hinzu. An der
Diagnose "nicht überlebensfähig" änderte sich aber auch bei ihr nichts. Sie gab der

"Krankheit" unseres Kindes einen Namen. "BODY-STALK-ANOMALIE" ein Syndrom der
verkürzten Nabelschnur.
Ich fragte sie, ob man nicht irgendetwas tun könnte. Sie schaute mich nur mitfühlend an und
antwortete "Sehen sie sich alleine die Verkrümmung der Wirbelsäule an und nehmen dann
noch die offene Bauchdecke dazu... Wenn es nur der Darm wäre, der außerhalb des Körpers
wäre. Das könnte man operieren, aber die Vielzahl an Missbildungen. Da können wir nichts
machen. Es tut mir leid."
Auch sie sagte mir wieder, dass ich ja noch jung sei und noch Kinder folgen könnten. Bereits
dort hasste ich den Satz so sehr, dass ich am liebsten geschrien hätte, sie sollten alle den
Mund halten. Der einzige Lichtblick dieses Tages war, dass es nichts genetisches war.
Ich fragte sie, was jetzt zu tun sei und sie erklärte mir kurz, dass eine Einleitung stattfinden
müsste. Auf die Frage wie dringend das sei, sagte sie nur, dass wir Zeit hätten. Sieben Tage
später sollte unsere Hochzeit sein und ich wollte einfach nicht vorher von unserem kleinen
Jungen Abschied nehmen müssen. Wir wollten ihn dabeihaben. Eine Familie sein.
Ganz viele verstanden nicht warum wir die Hochzeit feiern wollten. Sätze wie "Es sollte doch
der schönste Tag unseres Lebens werden." oder "Er würde überschattet werden von diesem
Schicksal." wurden immer wieder gesagt. Was niemand verstehen wollte war aber, dass
unser Kind dort dabei sein sollte. Lio war nichts dunkles schwarzes, das den Tag schlimm
machte. Er machte ihn zu etwas ganz Besonderem. Er war unsere Familie, unser Licht. Unser
Sohn war ein Teil unseres schönsten Tages. Ohne ihn hätte etwas gefehlt.
An dem Abend spürte ich ihn das erste Mal, so als wollte er mir damit sagen, dass er sich für
uns freut. Auch im Ultraschall bei meiner FÄ die wir vier Tage vor der Hochzeit nochmal
aufsuchten, war er aktiver denn je. Er hat gestrampelt, gewunken und sich so viel bewegt. Er
hat gelächelt und hat uns damit auch nochmal lachen lassen. Es war als wollte er damit
sagen "Hey, ich bin noch an eurer Seite und ich werde auch noch etwas bleiben. Verliert
euer Lachen nicht."
Zwei Tage vor der Einleitung lauschten wir seinem Herzschlag. Meine Schwester hatte uns
dafür ein Gerät ausgeliehen und ich bin ihr so unglaublich dankbar dafür. Es war das
schönste was wir je hören durften. Der Gedanke ihn bald ziehen zu lassen tat so unfassbar
weh. Unser Kind müsste uns bald schon wieder verlassen.
Immer wieder schlich sich der böse Gedanke in meinen Kopf, dass ich eine Mörderin sei. Das
ich mein Kind hergebe. Ich hatte immer gesagt, ich würde niemals ein Kind abtreiben und
dazu stehe ich auch heute noch. Ich habe unser Kind nicht abgetrieben. Ich habe ihm die
Freiheit geschenkt. Die Freiheit in den Sternen ein Leben zu führen, dass ich ihm nicht geben
kann. Ich wollte nicht, dass mein Kind leidet. Immer wieder stellte ich mir die Frage, ob ich
selbst so leben wollen würde. Ich hatte eine Geschichte gefunden, bei der ein Baby mit
Body-stalk-Anomalie eine Woche überlebt hatte. Ich hätte alles dafür gegeben mein Kind
lebend in den Armen halten zu können, aber ich wollte nicht meinen Egoismus vor das Wohl
meines Kindes stellen. Ich wollte nicht, dass das Einzige, was er in seinem kurzen Leben
fühlen durfte, Schmerz war. Lio sollte mit ganz viel Liebe in seinem Herzen gehen.
Sarah Teil 2 schrieb am 24. November 2019:
Meine Schwester googelte nach der Verdachtsdiagnose "Omphalozele", die die FÄ auf die
Überweisung geschrieben hatte. Fazit: Unser Kind müsste wahrscheinlich per Kaiserschnitt

geboren und sofort operiert werden. Je nachdem wäre es mit einer Operation behandelt
gewesen, könnte aber auch zwei Jahre dauern in denen unser Kind immer wieder operiert
werden müsste. Danach würde es ihm aber gut gehen und keine Folgeschäden
zurückbleiben. Der erste Schock wurde ersetzt durch Hoffnung. Hoffnung darauf, dass unser
Kind leben wird. Wir wollten den Weg mit ihm gehen, ohne Zweifel.
Am nächsten Morgen meldete sich meine FÄ und teilte mir mit, dass wir am Freitag den
13.09.19 einen Termin in der Uniklinik hatten. Mein Mann schaute mich an und sagte: "
Freitag der 13., wenn das mal nicht was bedeutet."
Freitag morgens um halb 7 machten wir uns auf den Weg. Wir waren voller Hoffnung. Alles
würde nicht so schlimm werden. Selbst zwei Jahre würden wir schaffen. Wir liebten unser
Krümelchen doch so sehr und freuten uns doch so. Der Sonnenaufgang an diesem Morgen
war unheimlich schön. Ich machte sogar ein Foto davon. Ich wollte es für später festhalten.
Vielleicht auch für Lio; um ihm zu zeigen wie schön der Tag war an dem wir erfahren hatten
das er es schaffen würde...
In der Uniklinik angekommen zogen wir eine Nummer um uns anzumelden. Um 8:45 Uhr
wurden wir aufgerufen und durften zum Ultraschall. Ein junger Arzt betrat das Zimmer und
fragte uns warum wir genau da wären. Ich erklärte ihm kurz vom Verdacht meiner FÄ
woraufhin er den Ultraschall startete.
Er hatte das Gerät noch keine 10 Sekunden auf meinen Bauch das sagte er "Ja, aber leider ist
das nicht alles." Ich versuchte alles Gesagte von ihm aufzunehmen, doch bereits nach kurzer
Zeit kamen nur noch Bruchstücke bei mir an. "Die Bauchdecke ist nicht geschlossen.
Nabelschnur viel zu kurz. Der Darm liegt außerhalb des Körpers, die Nieren, Harnblase, ein
Teil des Herzens, die Lunge..." Immer wieder stoppte er das Bild und zeigte auf einzelne
Bereiche. Er hörte gar nicht mehr auf immer mehr Dinge aufzuzählen. Zum Schluss kam die
Verkrümmung der Wirbelsäule. Immerhin waren alle Organe vorhanden.
Bevor er es aussprach wusste ich, dass es schlimm war; seine Worte sprachen nur das aus,
was ich dort bereits ahnte. "Es tut mir leid, aber ihr Kind hat keine Überlebenschancen.
Sowas passiert selten. In 1/50000 Fällen. Ich würde Ihnen raten noch eine
Chorionzottenbiopsie zu machen, um auszuschließen, dass es genetisch bedingt ist." Ich
dachte nicht lange nach und unterschrieb. Ich hätte ihm womöglich alles unterschrieben.
Dann kam der Standardspruch: "Es ist ihr erstes Kind. Sie sind noch jung. Beim nächsten Mal
wird das mit 99% nicht mehr passen." Ja danke und was bringt mir das jetzt?
"Gehen Sie bitte nochmal ins Wartezimmer. Die Oberärztin schaut gleich nochmal" 20
Minuten später lag ich wieder auf einer Liege. Der Ultraschall dauerte 45 Minuten in denen
die Ärztin immer wieder von 2D auf 3D umschaltete. Irgendwann konnte ich nicht mehr
hinsehen. Unser hübsches Kind, das dort einfach so perfekt aussah, müsste uns bald
verlassen. Ich kämpfte mit den Tränen. Ich wollte nicht dort weinen. Ich wollte stark sein,
wofür auch immer.
Sarah Teil 1 schrieb am 24. November 2019:
Alles begann am 02.07.2019 mit einem überraschend positiven Schwangerschaftstest. Lio
war ein Wunschkind, aber wir hätten niemals gedacht, dass es direkt im ersten ÜZ klappen
würde. Umso größer war die Freude, dass wir nun schon in 9 Monaten Eltern sein würden.
Zwei Wochen später hatten wir einen Frauenarzttermin, bei dem auch bereits das Herzchen
schlug. Alles war super. Kurz darauf bekam ich einen Heiratsantrag. Wir setzten den Termin
auf den 20.09 fest. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass alles viel zu perfekt ist;
versuchte aber dieses Gefühl nicht zu nah an mich ran zu lassen.
Vier Wochen später folgte der nächste Frauenarzttermin. Meine Mama hatte mich zu
diesem begleitet. Wieder war alles super. Meine Mama freute sich über die erkennbaren
kleinen Finger, die auch vollständig waren.
Unser Lio hatte sich nie viel bewegt. Meine Gedanken dazu waren immer "Er ist eben ein
gemütliches Baby, ganz nach den Eltern". Außer einem kleinen Winken war nichts zu sehen,
aber die Frauenärztin war zufrieden und schrieb auch in den Mutterpass, dass alles in
Ordnung wäre und sich unser kleines Krümelchen gut entwickelte. Überglücklich ging ich
nach Hause. Wir waren in der 10. Ssw. Nur noch zwei Wochen und die kritische Zeit hätte ein
Ende. Alles war gut. Was sollte schon noch passieren?
3 1/2 Wochen später fuhr ich mit meiner Schwester einkaufen. Wir schauten nach
Kindersitzen und Kinderwägen; erste Dekoteile fürs Kinderzimmer mussten mit. Der nächste
Frauenarzttermin stand kurz bevor und ich freute mich einfach nur noch darauf alles
einrichten zu können.
Vier Tage später am 10.09.19 hatte ich spät abends nach der Arbeit den Termin bei der
Frauenärztin. Ich freute mich eventuell das Geschlecht erfahren zu können. Von vielen hatte
ich gehört, dass sie es in der 14. Ssw erfahren hatten. Mein Mann war auch dabei. Nach
einem kurzen Gespräch mit der FÄ ging es dann auch schon zum Ultraschall. Wir Beide
schauten uns an und waren so positiv. Die FÄ schallte und schallte, zeigte uns einige Details.
Dann schallte sie weiter. Wir beide glaubten zu dem Zeitpunkt, dass sie nach dem Geschlecht
schaut. Doch dann stoppte sie das Bild, schaute mich ernst an und sagte "Sehen Sie das
hier?" dabei zeigte sie auf eine "Blase", die sich deutlich am Bauch unseres Kindes befand.
"Das gehört da so nicht hin. Ich würde sie gerne zu einer Spezialklinik überweisen. Es tut mir
leid. Ich hätte ihnen gerne etwas anderes gesagt." Voller Schock starrte ich meinen Mann an,
der nur geschockt zurückschaute. Ich murmelte ein "OK..." zu mehr war ich in dem Moment
nicht fähig.
"Ich mache für Sie einen Termin ab. Und rufe sie morgen früh an." Mit einer Überweisung
zur Uniklinik in der Hand verließen wir die Praxis. Erst im Auto kamen ihre Worte richtig bei
mir an. Unser Kind war krank. Irgendetwas stimmte nicht. Ich weinte. Warum wir? Warum
jetzt? Es war doch alles gut.
Nachdem ich es geschafft hatte auf der Arbeit unter Tränen Bescheid zu geben, dass ich
erstmal ausfalle, fuhren wir auf direktem Weg zu meinen Eltern. Dort angekommen
umarmte ich meine Mama und weinte. Ich konnte nicht reden. Ich wollte nicht in Worte
fassen was gerade passiert war. Worte machen alles realer und ich wollte die Realität nicht
wahrhaben.
Saskia S. schrieb am 14. Mai 2019:
Ich bin immer noch geschockt und kann es nicht glauben. Mein kleines Wunder wie haben uns so sehr auf dich gefreut. Auch dein großer Bruder.
Sonntagabend bekam ich Blutungen und fuhr ins Klinikum. Es wurde ein Ctg geschrieben und dann wollte die Ärztin einen Ultraschall machen.
Schon beim ctg hatte ich Angst. Als die Ärztin dann mit dem Ultraschall anfing war es leider sofort schreckliche Gewissheit kein Herzschlag mehr, eindeutig. Die nächste schlimme Nachricht.....mein Baby soll schon ca 3 Wochen verstorben sein zu diesem Zeitpunkt. Ich kann es nicht fassen und bestehe darauf wenigstens für ein paar Stunden bis zum nächsten Morgen nach Hause zu dürfen.
Montag morgen sind wir, mein Mann und ich, zur Einleitung wieder da. Wir hören nur die Hälfte von dem was uns erzählt wird. Um 11 Uhr bekomme ich das erste Zäpfchen zur Einleitung. Sehr schnell habe ich wehen. Um 17 uhr noch ein Zäpfchen. Der Abstand zwischen den wehen beträgt nur noch 40 Sekunden kaum auszuhalten, also bekomme ich ein Schmerzmittel das ein wenig hilft.
Um 21.20 Uhr dann platzt plötzlich meine Fruchtblase ich habe furchtbare Angst, aber mein Mann ist mein Fels in der Brandung.
Schnell geht es in den Kreißsaal und ich weiß es ist jetzt soweit du wirst geboren.
Am 06. Mai 2019 um 21.40 Uhr wurde unser kleiner Engel Malte in der 20. Ssw still in diese welt geboren. Er war perfekt und ich zerbreche jeden Tag an dem Verlust dieses kleinen perfekten Jungen.
Aber Die Welt dreht sich weiter ohne langsamer zu werden.
Jenni. P. aus Niedermerz schrieb am 10. März 2019:
Hallo zusammen.
Es fällt mir immer noch schwer darüber zu reden. Ich habe im April 2018 unseren Sohn zur Welt gebracht. Unsere Planung war eigentlich abgeschlossen. Ungefähr im September rum habe ich festgestellt das ich wieder schwanger bin. Der Schock war erst gross, da mein Sohn leider eine Kaiserschnitt Geburt wurde. Somit war noch nicht alles abgeheilt und ich hatte grosse Angst ob das gut gehen kann. Der Termin beim meiner Ärztin rückte näher und als ich dann da lag und auf dem Bildschirm guckte war meine Angst für einen kurzen Augenblick verflogen.
Ein Leben was in meinem Bauch heran wächst . Dieser Gedanke versetze mich zurück. So viel Freude.. mein Mann drückte meine Hand so fest das ich spürte auch er freute sich.
Ich war bereits Anfang 6 Woche.
Am 8.11.18 hätten wir den nächsten Termin. Genau an unserem Hochzeitstag.
Dazu sollte es leider nicht kommen.
Am 1. 11.18 habe ich leichte schmierblutungen bekommen. Wir sind ins Aachener Klinikum gefahren. Dort wurde ich untersucht. Es war alles ok. Blutwerte waren optimal .. alles war in Ordnung. Die Ärztin war so nett und meinte ich soll mir erst mal keine Sorgen machen. Das kommt in einer ss schon mal vor. Manchmal ist das aber auch eine Laune der Natur. Da meine letzte ss mit Kaiserschnitt noch nicht so lange her war. Es kann auch sein das sich mein Körper noch nicht bereit fühlt. So war es dann auch leider. Am 4.11.18 am Abend wurde die leichte blutung immer stärker.. Ich hatte starke Wehen und eine Riesen Angst. Meiner Schwiegermutter kam vorbei um nach den Kids zu sehen. ( Enrico 9j. Und Marvin heute 11 mon.)

Wir fuhren wieder ins Klinikum.. man hat uns so lange warten lassen .. Ich hatte so starke Schmerzen und musste andauernd auf die Toilette.
1 Std verging als wir endlich im Kreissaal im Behandlungszimmer waren.
Die frauenärztin guckte schnell nach und konnte nur noch die Öffnung des muttermundes sehen und die eingefallene fruchtblase.
Dann wurde mir gesagt ich solle mich auf den Toiletten Stuhl setzen wo dann alles weiter ging. Ich habe mein Kind verloren.
Die fruchtblase hilt Ich in meinen Händen.
Was ich gesehen und erlebt habe bleibt ewig in meinen Gedanken. Es war der schlimmste Tag in meinem Leben.
Als ich auf Zimmer / station gebracht wurde, sagte man mir .. man will versuchen es mit Tabletten in den Griff zu bekommen. Das sich alles lösen kann an Gewebe.. der 1 Tag verging.. der 2 ... verging .. meine Gebärmutter fing an sich zu entzünden. Sie wollten eine Ausschabung umgehen. Da es wegen der Narbe vom Kaiserschnitt zu gefährlich wäre. Leider musste es aber gemacht werden. Die Narkose Ärztin war hoch schwanger als sie neben mir stand. Ich musste die ganze Zeit weinen. Es war und ist heute noch sehr schlimm.
Mein Mann wartete bereits auf Station auf mich. Ich wollte unbedingt unser Sternchen bei uns haben. Unser Arzt zu dem Zeitpunkt setzte alle Hebel in Bewegung das es funktionierte. Früher war es so, das Kinder die unter 500 Gramm waren nicht bestattet werden konnten. Dies wurde zum Glück abgeschafft. Als wir auf dem nachhause weg waren, war es so schlimm für mich das Krankenhaus zu verlassen. Ich hatte das Gefühl..Ich lasse etwas zurück. Dieser Gedanke war so furchtbar.
Es hatte lange 2 Wochen gedauert. Am 23. 11.18 war die Beerdigung. Ein kleiner Mini Sarg mit vielen bunten Blumen. Der Pastor der die Beerdigung durch geführt hat, hat so liebe und schöne Worte gefunden. Das Lied aus dem Film Stadt der Engel lief und wir haben weisse Luftballons fliegen gelassen. Jeder von uns hat eine kleine Nachricht dran gebunden. Ich gehe jeden Tag hin und immer wieder fällt es schwer.
Ich bin froh das ich so einen halt bei meinem Mann habe und meine Kinder da sind und mich ablenken. Vor allem der kleine.
Ich hoffe der Schmerz vergeht bald aber das wird vermutlich noch eine ganze Weile dauern.
Es tut gut zu wissen das man mit dieser schweren Situation nicht alleine ist.
Fühlt euch alle gedrückt.
Unsere sterne sind immer bei uns.
Doris aus Ottweiler schrieb am 30. Oktober 2018:
Danke an Euch weil Ihr mein Sternenmädchen Martina für mich eingetragen habt bei den Sternenkindern.
Nun möchte ich Euch erzählen was damals bei uns passiert ist.Inzwischen bin ich bald 71 Jahre alt, aber vergessen werde ich nie.
Wir haben einen kleinen Sohn 3 Jahre alt und bald soll er ein Geschwisterchen bekommen. Unser sehnlichst erwartetest Baby soll am 8. Februar 1971 auf die Welt kommen. Im Dezember geht es mir nicht so gut, ich habe schlimme Kopfschmerzen. Gehe zu meinem damaligen Frauenarzt. Er stellt fest, das mein Blutdruck viel zu hoch ist. Leider wird nichts unternommen, er meinte es sei nicht so schlimm. Meine Kopfschmerzen beruhigen sich auch wieder.Dann im Januar, es ist ein Samstag, spüre ich keine Kindsbewegungen mehr.Ich gehe sofort zu meinem Arzt. Er sagt mir nachdem er die Herztöne abgehorcht hat: " Das Kind ist tot, kommen sie Montag wieder. Dies war für mich unfaßbar ich konnte das einfach nicht glauben. Mein Mann und ich haben uns dann auf den Weg gemacht und sind einfach in die Universitätskliniken gefahren. Es regnete in ströhmen ich vergesse es niemals.Dort wurde sofort die Geburt eingeleitet. Um 16 Uhr am 24.01.1971 wurde unsere kleine Tochter Martina , 7 Pfund schwer , tot geboren, sie war erst einige Stunden tot. Wir haben unser Kind dem Dienste der Wissenschaft übergeben weil wir unbedingt wissen wollten woran sie starb. Nach der Obduktion wurde uns gesagt das es eine Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) war. Sie wurde in einem Sammelgrab bestattet. Man kann dort hingehen. Ich war einmal da. Aber ich trage sie in meinem Herzen unseren kleinen Engel.
Für all die Mamas die auch grade so etwas schlimmes erleben möchte ich sagen, Ersatz gibt es niemals. Aber ich durfte 1972 unserem 2. Sohn das Leben schenken. Beide sind heute erwachsen und es gibt auch ein Enkelchen für mich.
Doris L.
Anonym schrieb am 5. April 2018:
Aktuell betreuen wir von SternenEltern Saarland eine werdenden Mutter, die eine traurige Geschichte durchlebt.

An dieser lässt Sie Euch teilhaben.

Teil 1

Mein Mann und ich durften uns auf Zwillinge freuen. Anfang der 12. Schwangerschaftswoche jedoch wurde uns leider direkt ein Dämpfer gesetzt: ein Kind würde nicht überlebensfähig sein und spätestens bis zur 20. Schwangerschaftswoche versterben. Eine spontane Genmutation.

Schock und Traurigkeit überkommen einen da schnell. Das kranke Kind würde vom Körper verkapselt und absorbiert werden. Am Ende der Schwangerschaft würden wir quasi gar nicht merken, dass es mal Zwillinge waren. So ist der Lauf der Natur häufig. Ein früh verstorbener Zwilling wird meistens nicht entdeckt. Wir hielten uns also an der Hoffnung aufrecht, dass die Schwangerschaft trotzdem bestehen bleibt und wir uns auf ein gesundes Kind würden freuen können.

Allerdings hatte keiner mit dem Kämpferherz unserer Tochter gerechnet. Die Zeit verstrich und unsere kleine Maus hielt sich tapfer neben ihrem Bruder.

Der Kontrolltermin in der 25. Woche bei dem Feindiagnostiker brachte diesen auch zum Stutzen, dass unsere Tochter ein solches Durchhaltevermögen hat. Da sich insbesondere die Lunge in dem zu kleinen Brustkorb nicht ausbilden kann, wird unsere Tochter voraussichtlich nach der Geburt ersticken. Ein humanerer Tod wäre ein selektiver Fetozid. Ich hatte bereits davon gelesen, und gehofft, dass ich das nie von einem Arzt vorgeschlagen bekommen würde.

Mir war klar: ich brauche jemanden außerhalb von Familie und Freunden, mit dem ich darüber sprechen kann. Jemand neutrales, der aber dennoch versteht, was in mir vorgeht. Mit dem ich mich darauf vorbereiten kann, dieses Kind dann doch kennenzulernen und womöglich direkt wieder verabschieden zu müssen. Ich entdeckte den Verein Sterneneltern Saarland e.V. und beschrieb meine Geschichte. Ein Treffen war schnell organisiert und so viel Angst ich davor hatte, so befreiend war es doch. Ich konnte einfach erzählen, ohne dass schockierte Gesichter mich mitleidig ansehen. Ich kenne die persönlichen Geschichten von den einzelnen Sterneneltern nicht. Es war in dem Moment auch nicht wichtig. Ich brauchte einfach nur jemanden der mich versteht und mir zuhört.

Der Verein gab mir Tipps und Adressen, wie ich Erinnerungen schaffe, wie ich für mich selbst akzeptieren kann, wie ich damit umgehe. Ich brauchte mich in keinster Weise rechtfertigen.

Jetzt heißt es bis zur Geburt abwarten. Was genau auf uns werdende Eltern zukommen wird, kann uns mittlerweile keiner sagen. Ob wir vielleicht doch keine „Sterneneltern“ werden und „nur“ eine schwerstbehinderte Tochter neben unserem Sohn stattdessen mit nach Hause nehmen, können die Ärzte momentan nicht beurteilen.

Egal wie es kommt, ich bin froh, dass ich schon im Vorfeld über die Sterneneltern Saarland aufmerksam geworden bin. So bin auf alles vorbereitet und weiß, dass ich im Fall der Fälle unterstützende Hilfe an der Hand habe, die mir nicht nur organisatorisch, sondern vor allem mit liebevollen Erinnerungen zur Seite stehen wird. Das beruhigt, soweit es in einer solchen Situation überhaupt möglich sein kann.

Wie wichtig die Arbeit von den Sterneneltern Saarland e.V. ist, kann einem somit auch schon im Vorfeld klar werden. Häufig überschlagen sich natürlich die Ereignisse, wenn ein Kind bereits im Mutterleib verstorben ist oder direkt bei der Geburt verstirbt, ohne dass es vorher Anzeichen dafür gab.

Aber es gibt viele Fälle, in denen vorab klar ist, dass die Schwangerschaft kein gutes Ende nehmen wird. Nur, dass die meisten nicht darüber reden oder sich schämen, weil sie sich anders entscheiden, als ich es getan habe. Aber auch dazu gehört viel Mut und man sollte sich nicht darum kümmern, was andere darüber denken, die nie in einer solchen Situation waren. Wichtig allein ist die Tatsache, dass man sich traut, Hilfe anzunehmen. Jemanden an der Hand hat, der einem in der schwierigen Situation trotzdem zeigt, dass man stolz auf sein Kind sein kann und dieses nicht verstecken muss.
Anonym schrieb am 28. Februar 2018:
gestern den 27. Februar waren es genau 3 Jahre her, dass ich dich verloren habe. Ich denke immer noch sehr oft an dich und was wohl aus dir geworden wäre, wenn du hättest zu uns kommen dürfen.
Dabei hast du mir auch so trotzdem drei große Geschenke gemacht.
Aber von vorne. Zuerst wollte dein Papa nämlich nicht wirklich Papa werden. Wir waren zwar schon sehr lange verheiratet (fast 10 Jahre) und noch länger zusammen. Aber eigene Kinder haben wollte er nicht. Als Scheidungskind hatte er erlebt, was es heißt von einem Elternteil getrennt zu sein. Er hatte große Angst vor der Verantwortung. Außerdem wollte er mich auch nicht mit jemand anderem teilen müssen. Wir haben viel darüber diskutiert, sind aber nicht wirklich zu einer gemeinsamen Entscheidung gekommen.
Mein Wunsch nach einem Kind war so groß und stark, dass es mich fast zerrissen hat, mit deinem Papa zusammen zu bleiben in der Gewissheit keine Kinder zu bekommen. Er hat das auch gesehen und irgendwann den Entschluss gefasst, dass es besser ist, sich auf das Abenteuer einzulassen, als seine Frau irgendwann zu verlieren.

Und hier kommen wir zu dem ersten Geschenk, dass du mir gemacht hast. Die Gewissheit, dass ich in meinem Alter (37) überhaupt schwanger werden konnte. Denn schon nach 4 Monaten üben, war ich mir sicher, dass ich schwanger bin. Über Weihnachten hatte ich schon vorsichtshalber keinen Alkohol getrunken und an Silvestermorgen war der Schwangerschaftstest tatsächlich positiv. Ich war ganz aus dem Häuschen. Allerdings hatte ich auch ein mulmiges Gefühl es deinem Papa zu sagen. Er hat sich aber auch offensichtlich gefreut. Wollte unbedingt ein Foto vom Schwangerschaftstest geschickt bekommen.
Beim ersten Termin beim Frauenarzt war ich in der 6. Woche schwanger. Auf dem Ultraschall habe ich einen kleinen Krümel gesehen in dessen Mitte schon ein ganz kleines Herzchen pulsiert hat. Ganz stolz haben wir der Familie, unseren Freunden und unseren Arbeitskollegen von dir erzählt und erste Bilder von unserem Krümelchen in der Welt verschickt. Ich habe meine Hebamme Isabelle angerufen und direkt einen Termin mit ihr vereinbart. Alles lief gut, ich war zwar zwischendurch mal erkältet, aber nix dramatisches.

Kurz vor Fastnacht hatten wir dann wieder einen Termin beim Frauenarzt. Ich war in der 11. Woche. Dein Papa kam mit, um dich auch auf dem Ultraschall zu sehen.
Dann kam der Schock. Während der Untersuchung sah ich dich auf dem Bildschirm, aber es pulsierte nichts. Der Arzt versuchte noch mehrere Blickwinkel einzustellen – aber nichts. Er sagte dann ziemlich unverblümt: „Sie sehen ja selbst, da ist kein Herzschlag zu sehen. Das Kind ist tot. Bitte ziehen sie sich an, den Rest besprechen wir dann drüben“ und ging ins andere Zimmer.
Ich war so geschockt, ich konnte kaum Luft holen. Deinem Papa ging es genauso. Wir sind dann wie betäubt ins Sprechzimmer gegangen. Wo der Arzt dann die verschiedenen Möglichkeiten aufgezählt hat: Abwarten bis es von selber abgeht – hat aber viele Risiken, er würde eine Ausschabung empfehlen. In welches Krankenhaus ich den gehen wollte? – Seine Sprechstundenhilfe würde uns dann die Einweisung mitgeben und uns die Telefonnummer raussuchen, damit wir einen Termin im Krankenhaus machen können. Den Rest habe ich wie in Trance erlebt. Die Sprechstundenhilfe hat uns ins Labor gelotst, damit wir nicht ins Wartezimmer mussten, hat alle Papiere fertig gemacht und uns dann damit verabschiedet, dass wir, wenn alles rum ist , einen Termin zur Nachkontrolle machen können und Tschüß.
Im Auto angekommen, sind bei mir alle Dämme gebrochen. Ich habe wie wild rumgeheult. Dein Papa hingegen war nur wütend. Am liebsten wäre er wieder zurück in die Praxis gegangen und hätte den Arzt für seine unsensible Art nachträglich aus dem Fenster geschmissen.

Ich habe zuerst versucht im Krankenhaus anzurufen. Hatte da aber niemanden auf der Station ans Telefon bekommen. In meiner Verzweiflung habe ich dann meine Hebamme Isabelle angerufen. Die hat nur gesagt, wir sollten zuerst mal nach Hause fahren, zur Ruhe kommen und sie wäre in einer Stunde bei uns und wir könnten dann alle Möglichkeiten besprechen.
Isabelle hat uns dann aufgeklärt, dass es durchaus möglich ist, dass man auch den natürlichen Abgang abwarten kann. Sie hat uns die Risiken erklärt (mögliche unkontrollierte Blutungen), aber auch mit komischen Vorstellungen aufgeräumt, die im Kopf herumschwirren. Es kann beim Abwarten nicht zu einer Vergiftung oder ähnlichem kommen. Das Kind ist weiterhin in seiner Fruchthöhle geschützt. Wenn der Körper selbst erkannt hat, dass da kein Leben mehr in der Fruchthöhle ist und bereit ist loszulassen, kommt es zu einer kleinen Geburt. Es gibt leichte Wehen, der Muttermund öffnet sich leicht und die Fruchthöhle und die Nachgeburt können abgehen.
Bei einer Ausschabung, wie vom Frauenarzt empfohlen, wird unter Narkose der Muttermund hingegen gewaltsam geöffnet und die Gebärmutter mit einem Curettagelöffel ausgeschabt, um den Fötus und die Nachgeburt zu entfernen. Hierbei wird auch die Gebärmutterschleimhaut z.T mit abgeschabt, bzw. verletzt, woher auch oft die Empfehlung rührt, erst nach 3 Zyklen nach einer Ausschabung wieder schwanger zu werden, da sich die Gebärmutterschleimhaut erst wieder aufbauen muss.

Nach kurzer Überlegung war für uns klar, ich will abwarten. Ich will mich in Ruhe verabschieden können. Mich mit dem Gedanken abfinden können, dass du nicht mein erstes Kind sein wirst, dass ich aufwachsen sehe.

Und dass war das zweite Geschenk von dir. Durch dich konnte ich schon erste Erfahrungen sammeln, wie sich Wehen anfühlen. Wie es sich anfühlt, nicht mehr Herr über seinen eigenen Körper zu sein. Du hast mir so die Angst vor der Geburt von deinem Bruder zum Teil genommen.
Es ging dann aber doch nicht so leicht wie wir uns das vorgestellt hatten.
Zuerst war es sehr schwierig überhaupt einen neuen Frauenarzt zu finden, der bereit war, die natürliche Fehlgeburt zu begleiten. Wobei begleiten das falsche Wort ist. Eigentlich hatten wir ja nur einen Arzt gesucht, der noch einmal bestätigt, dass der erste Arzt keinen Fehler gemacht hat und dann später nach der natürlichen Fehlgeburt eine abschließende Ultraschalluntersuchung macht und bestätigt, dass der Abgang vollständig war. Die eigentliche Geburt sollte nur meine Hebamme Isabelle begleiten. Nach dem Isabelle insgesamt 10 Ärzte abtelefoniert hatte, hatten wir endlich jemanden gefunden, der dazu bereit war. Die anderen haben uns entweder direkt noch am Telefon versucht zu einer Ausschabung zu überreden oder abgelehnt, die Verantwortung bis zum ersten Untersuchungstermin bei Ihnen zu übernehmen.
Es war nicht mit zwei-drei Tagen warten getan. Nach drei Wochen hat Isabelle gemeint, dass wir uns vielleicht doch einmal einen Endpunkt setzen sollten, bis wohin wir noch warten sonst lassen wir doch einen Ausschabung machen. Wir wollten noch bis zur nächsten Woche warten. In der Zwischenzeit bin ich auch wieder arbeiten gegangen. Mir wäre sonst zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen. Donnerstags morgens hatte ich dann irgendwann starke Rückenschmerzen bekommen, die aber regelmäßig kamen und gingen. Wehen können halt auch in den Rücken ausstrahlen. Meinen Arbeitskollegen war das dann nicht mehr so geheuer. Ich bin dann nach Hause gefahren. Nach einem Telefonat mit Isabelle habe ich dann auch auf meinen Yogakurs an dem Abend verzichtet und bin lieber zu Hause geblieben. Isabelle hat gesagt, dass ich sie jederzeit anrufen könnte, wenn es richtig losgeht, auch nachts.
Um 4:30 Uhr Freitag morgens waren die Wehen dann stärker. Ich habe dann Isabelle angerufen und deinen Papa wachgemacht. Der hat uns zuerst mal Tee aufgesetzt. Er hat dann in seinem „Superman“-Schlafanzug auch noch für einen Lacher gesorgt, als Isabelle gemeint hat, dass das das erste mal sei, dass „Superman“ ihr einen Tee serviert.
Isabelle hat mich dann mit Massagen und guten Worten durch die Wehen begleitet. Das Ganze hat gefühlt ewig gedauert. Irgendwann so gegen 10 oder 11 Uhr morgens habe ich dann Schmerzmittel genommen, weil es nicht mehr zum Aushalten war. Die Wehen kamen, aber gingen übergangslos ineinander über. Es gab keine Pausen dazwischen, aber es tat sich nichts. Nach einer Stunde, dein Papa war schon ganz nervös, haben auch Isabelle und ich eingesehen, dass wir so nicht mehr weitermachen können. Wir haben also doch noch einen Krankenwagen gerufen. Dein Papa hat schnell ein paar Sachen in eine Tasche für mich gepackt und schon war der Krankenwagen vor der Tür. Im Krankenhaus angekommen, hatte die sehr nette aber resolute Ärztin vom Typ russische Kugelstoßerin gesagt, wir sollten zuerst mal eine Urinprobe in den Becher machen. Ich weiß bis heute nicht, ob das zum normalen Vorgehen gehört oder ob es mich nur mal ablenken sollte. Auf der Toilette dann ging es tatsächlich los. Auf dem Untersuchungsstuhl, haben wir dann die Ärztin gefragt, ob wir dich denn mit nach Hause nehmen könnten. Sie hat dann nur genickt und gesagt, dass da nix gegen spricht. Wir hatten dafür extra eine kleine Pappschachtel mitgebracht, die ich zu Hause schon bereit gelegt hatte. Nach der Untersuchung bin ich dann auf eigene Verantwortung wieder aus dem Krankenhaus nach Hause gegangen. Auf die Nachgeburt haben wir dann dort gewartet. Wir waren alle drei ziemlich fertig. Isabelle hat mich noch gut in einer Decke eingepackt und uns dann alleine gelassen. Sie hat dann am nächsten Morgen (Samstags) dann noch mal nach mir gesehen.

Papa und ich haben dich an diesem Tag zu deinem Opa in den Friedwald gebracht. An diesem Baum werden auch wir irgendwann einmal unsere letzte Ruhestätte finden. Ein tröstlicher Gedanke, dass wir dann wieder zusammen sein werden.

Hier hast du mir dann das dritte und wichtigste Geschenk gemacht. Dein Papa hat genauso um dich getrauert, wie ich. Er hat dich genauso gewollt, wie ich auch. Er hat also nicht nur um zu halten, ja zu einem Kind gesagt, sondern weil er es auch wollte. Und dies hätte ich ohne dich nie mit Sicherheit sagen können.

Ich danke dir vielmals für diese Geschenke

Deine Mama
Carina A. schrieb am 22. Februar 2018:
Ein Brief von einer Sternenmama⭐

Clara – die Leuchtende - unser Sternenkind

Diesen Bericht zu schreiben, fällt mir nicht leicht, aber zugleich tut es mir gut, da ich anderen meine
Gefühle mitteilen und vielleicht auch helfen kann. Helfen zum einen, weil ich meine bzw. unsere Erfahrungen offenlege und vielleicht weitere betroffene Menschen aus dem Herzen spreche und zum anderen weil ich anderen zeige, dass man weiterhin mit mir und meinem Mann ganz „normal“ umgehen kann. Wir haben einen Schicksalsschlag erlebt, der uns und unseren Blick auf das Leben verändert hat, aber wir sind weiterhin Teil dieser Gesellschaft und wollen nicht ausgegrenzt, sondern ganz einfach weiterhin angenommen sein.

Eines ist klar: Der Tod von Clara hat mir die Endlichkeit des Lebens mit solch einer Härte und Brutalität bewusst gemacht, dass ich bis heute oft mit Unfassbarkeit auf das Geschehene zurückblicke.
Ich habe gelernt, damit zu leben und dieses Ereignis in mein persönliches Leben zu integrieren und Clara als mein Kind anzuerkennen.

An Clara habe ich während der Schwangerschaft Träume, Vorstellungen und Wünsche geknüpft, die mit ihrem Tod alle nicht mehr in Erfüllung gehen konnten: Ich bin Mama ohne Kind, ich gehe nicht auf den Spielplatz, lese keine Gutenachtgeschichte vor und wechsle keine Windeln. Und doch bin ich Mama.
Denn Clara wurde geboren und ist ein Teil von mir und ihr Tod gehört zu meinem Leben dazu. Ich musste loslassen, obwohl ich noch nicht einmal richtig im Arm halten durfte, ich musste die erträumte Zukunft loslassen, obwohl diese noch nicht angefangen hatte.
Aber für das Loslassen ist man nie bereit, man wird nicht gefragt, man muss es annehmen, weil keine andere Wahl bleibt. Wir mussten dann also als kleine Familie, die eigentlich nie eine werden durfte, eine gemeinsame große Hürde meistern. Die stille Geburt. Und wir haben es geschafft. Irgendwie. Gemeinsam. Voller Liebe.

So schlimm und schmerzhaft diese Erfahrung war, so vorbildlich und gut war der Umgang mit uns und unserem Schicksal durch die MitarbeiterInnen des Krankenhauses. Sie waren für uns da. Sie sahen uns und in unser Herz.

Was auch gut tat, waren Familie und Freunde, die einfach da waren, die mit uns geweint haben, die keine Worte gefunden haben, weil es auch keine gibt. Freunde, die Blumen auf das Grab gestellt haben, weil auch sie sich auf Clara gefreut haben und die bis heute einfach da sind.

Ich bin eine Mama ohne Kind. Zum Glück habe ich eine Geburtsurkunde, die mich daran erinnert. Zum Glück durften wir Clara beerdigen. Im Familienkreis und trotzdem öffentlich. Sie hat ein Grab, wir haben ein Ort der Trauer. Sie ist kirchlich bestattet und damit auch Teil der Gemeinde. Das ist uns wichtig. Denn sie gehört dazu.

Einige Zeit danach lernte ich Sternenmütter kennen, die das gleiche Schicksal mit uns teilen. Sie gaben mir Mut und ich fühlte mich in meinem Schmerz verstanden. Ich bin nicht allein. Wir sind nicht allein. Nicht allein mit unserem Schicksal, unserer Trauer, aber auch nicht mit unserer Lebensfreude. Das Leben, der Alltag hat uns. Wir haben Clara.

Clara hat mir zu einer neuen Einstellung über Leben und Tod verholfen. Seit ihrer Geburt und ihrem Tod überdenke ich viele Entscheidungen in meinem Leben neu.
Aber ich lebe. Und sie ist und bleibt in meinem Herzen. Ich kann auch wieder fröhlich sein und lachen. Denn sie geht mit mir durch den Alltag und hilft mir, dass ich nicht schweigen muss, Clara nicht verschweigen muss, sondern dass ich reden darf. Und auch schreiben. So wie diesen Text.
Ich hoffe, dass ich hiermit Verständnis bekomme nicht nur für unsere Situation, sondern auch für die vielen anderen Sternenkindeltern. Vielleicht fällt es ihnen nun leichter, mit mir, uns und anderen umzugehen. Das ist schwierig. Ich weiß. Aber ein Versuch ist es wert.

Carina A.